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Freitag, 21.07.2017

Rot lackierte Faschisten

Linke stehen immer nur auf der Seite von Frieden, Freiheit und Menschlichkeit. Oder nicht?

Von Werner J. Patzelt

Werner J. Patzelt
Werner J. Patzelt

© Ronald Bonß

Heftige Gewitter reinigen die Luft. Dann sieht man klarer. Wie nach den Hamburger Krawallen. Aus ihnen kann man Folgerungen für ein besseres Land ziehen. Doch Vorsicht …

Erstens ist nun bewiesen, dass Gewalt immer nur von der Polizei ausgeht. Hätte die nicht schon im Voraus die romantischen Zeltlager von Jugendbewegten verhindert, Straßenspaziergänge in schwarzer Freizeitbekleidung kriminalisiert, ja sich schlagwütig auf den Weg in sozial befreite Zonen gemacht, so wäre es zu nicht mehr als einer entspannten Sommerparty gekommen, garniert mit ein paar ironischen Zurufen an die Leute vom G20-Gipfel. Die Lehre: Künftig keine Polizei mehr bei Demonstrationen! Lasst die Beamten ihre Überstunden abfeiern – oder schult sie um in Berufe, die man wirklich braucht.

Zweitens erkennt jetzt jeder, dass Linkssein und Gewalt noch weniger miteinander zu tun haben als der Islam mit dem Islamismus. Schon gedanklich ist ausgeschlossen, dass ein Linker je Gewalt anwenden, in Erwägung ziehen, sie auch bloß mit einem Fünkchen klammheimlicher Freude sehen könnte. Und die Geschichte hat längst bewiesen, dass Linke immer nur auf der Seite von Frieden, Freiheit und Menschlichkeit standen. Die Lehre: Sobald alle links sind, wird Friede auf Erden! Schafft also quer übers Land viele „Rote Floras“ und finanziert so viele linke Projekte wie nur möglich.

Drittens ist es dreist, von Linken eine Distanzierung von „linksextremen“ Haltungen oder Taten zu fordern. „Extremismus“ ist nämlich ein ganz unsachlicher, auf Linke ohnehin nicht anwendbarer Begriff. Und Linke tun doch auch nicht so, als könne es eine Verbindung zwischen normal Rechten und Rechtsextremisten geben. Warum also mit zweierlei Maß messen?

Es ist offensichtlich, dass jene Protestierer, die sich im Ton oder an Wurfgeschossen und Brandsätzen vergriffen haben, gar keine Linken gewesen sein können. Nach Gewaltlust und Selbstgerechtigkeit waren sie gewiss Rechte, wenn vielleicht auch mit dem falschen Bewusstsein, links zu sein. Oder es waren apolitische Bürgerkinder. Doch wir wissen ja, dass sich der Rechtsextremismus in die Mitte der Gesellschaft gefressen hat. Also waren die Krawallmacher womöglich Wiedergänger jener „rot lackierten Faschisten“, vor denen einst der SPD-Vorsitzende Schumacher warnte …