erweiterte Suche
Dienstag, 20.03.2018

Raus aus der Ulknummer

Tom Quaas spielt im Dresdner Societaetstheater einen Clown, dem es nicht ausreicht, die Leute nur zum Lachen zu bringen.

Von Christian Ruf

Tom Quaas im Stück „Jedermann“ bei den Burgfestspielen Meißen im Juni 2016.
Tom Quaas im Stück „Jedermann“ bei den Burgfestspielen Meißen im Juni 2016.

© Claudia Hübschmann

Bitte, alles, bloß keinen billigen Lacher! Schenkelklopferhumor? Schadenfreudenspott? Widert August den Clown einfach nur an, sein Ehrgeiz zielt auf Höheres: Er will sein Publikum nicht einfach nur zum Lachen bringen, sondern möchte ihm „das Geschenk einer unablässigen, stetig sich neu erweckenden, neu sich speisenden Freude“ geben. Aber da er aus der Ulk-Nummer nicht mehr rauskommt und ihm das Lachen der Leute zur „Qual seiner Ohren“ wird, reißt er aus und verrichtet bei einem anderen Zirkus niedere Hilfsdienste. Dabei findet er Glück und inneren Seelenfrieden – so lange jedenfalls, bis Antoine, der Clown der Truppe, krank wird und August für ihn einspringt. Der Plan: Antoine so berühmt machen, dass die Leute August vergessen. Aber ganz so einfach ist die Sache nicht.

Es ist Tom Quaas, der in der Inszenierung „Das Lächeln am Fuße der Leiter“, die am Freitag im Dresdner Societaetstheater Premiere hatte, diesen August spielt.

Gestisch und mimisch zieht er mal wieder alle Register. Es ist entsprechend Genuss pur, ihm dabei zuzusehen. Das Stück beruht auf einem Text von Henry Miller, der in vielen Werken ganz gern Sex, Exzess und Tabubruch frönte, mit dieser Fabel aber bewies, dass er auch ein ungemein poetischer Autor sein konnte.

Regie führte Arne Retzlaff, der reichlich stimmungsvolle, poetische Momente einbaute, etwa wenn er Quaas mit einem Papierklumpen kämpfen lässt und dieser dann in tausend kleine Schnipsel zerstiebt. Der Hintergrund der Bühne ist mit schwarzem Samt ausgeschlagen, sodass Magie pur und mehr als nur ein Hauch von Schwarzem Theater in der Luft liegen, wenn Gegenstände scheinbar schwerelos durch den Raum schweben. Es ist Paula Henke-Quaas, die hier eindrucksvoll agiert, aber halt das Pech hat, dass sich der Spruch „Die im Dunkeln sieht man nicht“ auch in diesem Fall bestätigt.

Tom Quaas ist zunächst mal ein recht müder Mime, der klagt, dass man früher ins Theater ging, um Visionen zu sehen, und Poesie natürlich, dass es heute aber nur noch ums Geld ginge. Ausgelaugt, apathisch erzählt er, nachdem er sich von der „Matratzengruft“ links auf der Bühne erhoben hat, vorm Spiegel sitzend seine Geschichte, wobei der Hauptstrang der Geschichte wiederholt durch Traumsequenzen unterbrochen wird.

August hadert mit seinem Schicksal, dann bricht sich in ihm doch nolens volens die Erkenntnis Bahn: „Ich muss lernen, als August glücklich zu sein, als der Clown, der ich bin.“ Selbsterkenntnis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung, heißt es bekanntlich. In diesem Fall klingt nicht ein Hauch von Spott oder Selbstironie mit.

Nächste Vorstellungen: 12. 4. und 9. 5., 20 Uhr, Kartentelefon: 0351 803 68 10

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Ihr Kommentar zum Artikel

    Bitte füllen Sie alle Felder aus.

    Verbleibende Zeichen: 1000
    Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein