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Samstag, 11.06.2016

Peter Schreier beackert Kreischa

Es geht wieder los: Der berühmte Dresdner Künstler plant erneut eine Schumanniade, lockt Japaner ins Lockwitztal und mäht schon mal am Schumann-Weg.

Von Bernd Klempnow

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Auch mit 81Jahren sehr mobil und aktiv: Schreier auf dem Rasenmäher, der gleichzeitig mulcht.
Auch mit 81 Jahren sehr mobil und aktiv: Schreier auf dem Rasenmäher, der gleichzeitig mulcht.

© Juergen Helfricht

  • Auch mit 81Jahren sehr mobil und aktiv: Schreier auf dem Rasenmäher, der gleichzeitig mulcht.
    Auch mit 81 Jahren sehr mobil und aktiv: Schreier auf dem Rasenmäher, der gleichzeitig mulcht.
  • Peter Schreier an der Büste des von ihm verehrten Robert Schumann im Kurpark von Kreischa. „Ich habe vor allem als Mozart- und Bach-Tenor Karriere gemacht, aber der sensible Schumann ist bis heute mein Komponist des Herzens“, so Schreier.
    Peter Schreier an der Büste des von ihm verehrten Robert Schumann im Kurpark von Kreischa. „Ich habe vor allem als Mozart- und Bach-Tenor Karriere gemacht, aber der sensible Schumann ist bis heute mein Komponist des Herzens“, so Schreier.

Ein neuer Orden, Herr Kammersänger? „Jawohl und diesmal der Sächsische Verdienstorden“, sagt Peter Schreier. „Der Ministerpräsident hat so viele kluge und engagierte Menschen ausgezeichnet. Ich weiß gar nicht, wie ich zu der Ehre komme. Ich bin doch schon so lange raus aus dem Geschäft.“ Wie immer ist der Dresdner zu bescheiden, der als Sänger und Dirigent weltweit und Jahrzehnte die Bühnen und Konzerthallen mit seiner Kunst zum Toben gebracht hat. Wohl setzte sich der 81-Jährige unlängst damit zur Ruhe – untätig für die Sachsen ist er dennoch nicht. Peter Schreier sorgt mit dafür, dass internationale Stars und Publikum ins beschauliche, osterzgebirgische Kreischa kommen.

„Es ist wie derzeit im Garten: Es geht wieder los. Überall wächst und blüht es, braucht es einen Gärtner. Da wird es Zeit für die Schumanniade in Kreischa“, sagt der Tenor. Mit dem Kunst- und Kulturverein Kreischa organisiert er alle zwei Jahre so ein Fest, das an den Aufenthalt von Robert Schumann und Familie 1849 erinnert. Eigentlich waren die Schumanns vor den revolutionären Unruhen aus Dresden nach Maxen auf den Berg geflüchtet. „Doch dort residierten alsbald Adlige. Er konnte irgendwann deren Gerede nicht mehr ertragen. Die Familie bezog in Bad Kreischa im Lockwitztal Quartier“, sagt Schreier. „Ein guter Grund, die hier in der Region entstandenen Arbeiten von Robert immer wieder mal aufzuführen.“

Speziell viele Lieder hatte der Schöpfer der „Frühlingssinfonie“ hier vertont. Einige davon erklingen nun bei der mittlerweile neunten Schumanniade. Besonders reizvolle Arrangements hat Schreier für das Abschlusskonzert ausgewählt. Es sind Klavierbearbeitungen von Franz Liszt, „nicht so typisch deutsch-bombastisch wie sonst, sondern Liszt-untypisch sehr sensibel. Gut, dass wir als Interpreten den hochtalentierten Alexander Krichel gewinnen konnten.“ Das Programm der Schumanniade ist wieder so attraktiv, dass Japaner extra anreisen. „Wir haben als kleiner Verein eine bemerkenswerte Ausstrahlung.“

Schreier ist zwar Dresdner, hat aber seit den 70er-Jahren in Kreischa ein Haus mit großem Grundstück. Und das liegt zufällig am sogenannten Schumann-Weg. Den nutzte nachweislich die berühmte Komponistenfamilie bei ihren ausgedehnten, teils strapaziösen Wanderungen von Maxen nach Saida. Und auf der Wiese, wo heute Schreiers Haus steht, könnte das Paar mit den Kindern Pause oder Picknick gemacht haben. Schreier dankt der Gemeinde Kreischa diesen Zufall auf seine Weise – neben der Schumanniade. Er stiftete 1997 eine Büste von Robert, die im Kurpark steht, und er pflegt das Areal. Das ist zwar steil, aber der Kammersänger verfügt über einen beachtlichen, PS-starken Fuhrpark. Jeder Grundstücksbesitzer bekommt glänzende Augen oder erblasst, je nachdem wie er veranlagt ist. Da gibt es unter anderem eine elektroangetriebene Schubkarre, die die Steigungen nur so nimmt. Da gibt es einen Rasentraktor, der vierzig Zentimeter hohes Grass gleich mulcht. Es gibt einen weiteren Rasentraktor, der häckselt und als Gabelstapler Lasten wie riesige Kakteen-Töpfe transportiert. Wenn Schreier die Fahrzeuge vorführt oder erklärt, glaubt man ihm, wenn er sagt: „Im nächsten Leben werde ich gewiss Landwirt.“

Bis dahin ist noch etwas Zeit. Der legendäre Sänger hatte zwar in den vergangenen Jahren schwere gesundheitliche Probleme, lag gar im Koma. Aber er erholte sich wieder großartig, auch wenn der Ischiasnerv derzeit muckert. Regelmäßig Physiotherapie, und der agile Mann beackert seine Kreischaer Flur. Bereits in Planung ist die nächste Schumanniade 2018. „Aber dann ist Schluss, müssen andere ran“, sagte Peter Schreier. Dabei wissen alle, er macht weiter, wenn er gebraucht wird.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Berg

    Respekt vor dem Engagement des Sängers. - Gerne hätten wir etwas von seinem Musikempfinden, seiner Feinfühligkeit in der Dresdner Musikwelt wiedergefunden. Schreier, Adam, Güttler, Rösel, die Dresdner Musikgrößen, waren nach der Wende in unterschiedlicher Intensität zu spüren. Hin und wieder vereint für das Opern- und Konzertleben hätte Dresden gut getan.

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