erweiterte Suche
Montag, 21.03.2016 Der Krimi am Sonntag

Nur kein Wort zu viel

Trotz einiger Logiklücken hat der „Tatort“ mit Wotan Wilke Möhring eine ganz neue Klasse – dank der Neuen im Team.

Von Andy Dallmann

2

Super Einstand: Franziska Weisz ist als Oberkommissarin Julia Grosz die Neue an Falkes Seite und im Gegensatz zu dem Dampfplauderer herrlich wortkarg.
Super Einstand: Franziska Weisz ist als Oberkommissarin Julia Grosz die Neue an Falkes Seite und im Gegensatz zu dem Dampfplauderer herrlich wortkarg.

© NDR/Marion von der Mehden

Wie stellt man sich als regelmäßiger „Tatort“-Zuschauer eine reale Polizistin vor? So wie Aylin Tezel alias Nora Dalay in Dortmund? Eher nicht, zu zart. Wie die beiden Neuen aus Dresden? Hm; kein Kommentar. Oder wie Ulrike Folkerts, die als Lena Odenthal durch Ludwigshafen hetzt? Vielleicht. Wobei – ist die nicht manchmal doch zu emotional?

Jetzt kommt die Lösung, und das ist das Beste am frischen „Tatort“ mit Wotan Wilke Möhring als Thorsten Falke. Seine Neue hat’s einfach drauf. Cool, clever und tough, genauso muss eine Polizistin sein, um auch im wahren Leben ihren Job beherrschen zu können. Vor allem: Oberkommissarin Julia Grosz quasselt nicht, sie macht. Natürlich kämpft auch sie mit einem Trauma und hat somit eine kleine Macke. Egal, denn die wortkarge Bundespolizistin vom Flughafen Hannover gibt der ansonsten etwas wirren „Tatort“-Geschichte Halt.

Besonders schön: Am Ende ist klar, dass Franziska Weisz in dieser Rolle eine Zukunft hat. „Ich neige dazu, niemandem zu vertrauen und meine Kollegen zu erschießen“, sagt sie zu Falke, der sie als Partnerin anzuwerben versucht und, ein Wunder, kurz nach Worten suchen muss. „Zugegeben, umgekehrt wäre wesentlich gesünder“, ringt er sich sacht grinsend ab. Und dann lächelt sie. Und wie. Das kriegt sie also auch noch hin. Somit steht das Polizistinnen-Idealbild, bleibt hängen, was für den Rest des Films leider nur bedingt gilt.

Sicherheitspersonal als Profi-Schleuser mit eigenem Geheimgang auf dem Flughafen, aber zu blöd, den eigentlichen Kunden abzufassen. Aha. Der Falsche wird gekillt, an ein Flugzeug gepappt und fällt – natürlich – mitten in den Pool, in dem gerade ein Paar rumknutscht. Soso. Aber das ist gar nicht das Thema. Eigentlich geht es ja um einen Terroranschlag, den zwei Islamisten ausgerechnet in dem Krankenhaus durchziehen, in dem der eine putzt und die Schwester des anderen als Pflegerin arbeitet. Was dem aufs Gewissen schlägt und den Anschlagsablauf bremst.

Weil das alles für niemanden gutgehen kann, sind zum Schluss auch alle Bösen tot. Terroristen, Schleuser und die Schleuserfreundin. Nur, und das allein ist wirklich wichtig, Oberkommissarin Julia Grosz hat keinen Kratzer. Mit ihrem finalen Rettungsschuss stellt sie klar, dass sie im Ernstfall nicht zickt oder lange fackelt. Zweifellos noch ein dicker Pluspunkt.

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Fragender

    Trotz einiger Klischees eine Wohltat gegenüber dem letzten Sachsenkrimi (Zwinger), wo sächsische Bürger (Gebührenzahler) als Dummvolk dargestellt worden.

  2. Udo J.

    Fand ich nicht

Alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zum Artikel

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Verbleibende Zeichen: 1000
Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein