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Freitag, 07.04.2017

Nur Freund oder Feind

Es gibt leider viele Tröpfe, die selbst zum Kampf zu feige sind, aber Gewalttäter bestärken.

Von Michael Bittner

Michael Bittner
Michael Bittner

© Ronald Bonß

Krieg macht nicht nur grausam, er macht auch dumm. Wer nur noch Freund und Feind sieht, der erkennt im Gegner keinen Menschen mehr und wird unfähig, das eigene Handeln zu hinterfragen. So ergeht es auch den Leuten, die sich in unseren Tagen nach einem Bürgerkrieg sehnen. Einige versuchen, diesen Krieg mit eigener Faust herbeizukämpfen. Daneben gibt’s viele Tröpfe, die zwar selbst zum Kampf zu feige sind, aber Gewalttäter bestärken, indem sie deren Taten leugnen, verharmlosen oder gutheißen.

In frischer Erinnerung ist noch der Sprengstoffanschlag auf eine Dresdner Moschee im vergangenen Jahr. Der notorische Lügner und Berufsverbrecher Lutz Bachmann vermutete sogleich, der Anschlag sei wohl ein Werk von Linken, die einen falschen Verdacht auf die Pegida-Bewegung lenken wollten. Ein gefälschtes Bekennerschreiben tauchte im Internet auf. Doch ermittelte die Polizei als mutmaßlichen Täter bald ein Schaf aus Bachmanns Herde. Der Täter hatte als Redner bei Pegida vom „Bürgerkrieg“ gefaselt, war beklatscht und von Bachmann für „starke und deutliche Worte“ gelobt worden. Nach dem Auffliegen seines Schützlings sprach Bachmann von einem harmlosen „Böller“ und „hysterischer Berichterstattung“. Die üblichen Nazis beklatschten den Angriff sowieso als gerechte Notwehr.

Man wünschte sich, es gäbe solche Dummheit nur am rechten Rand. Dem ist aber leider nicht so. Der feige Anschlag auf das Auto von Professor Patzelt wurde jüngst zwar von den meisten seiner politischen Gegner verurteilt, doch gab’s auch linke Verharmloser und verklemmt Erfreute. Der Anschlag sei ja gar nicht so wild und irgendwie auch ein bisschen verdient. Ein Spinner wünschte gar Patzelt selbst in die Flammen. Die Rechten, die bei rechter Gewalt meist still sind, schrien derweil laut wie nie über „linken Terror“. Aber nicht alle! Eine durchgeknallte Rechtsradikale fand sogar Gefallen an der Tat: „Ein Bänkelsänger der liberalglobalistischen Alt-BRD wie der Herr Professor aus Dresden erntet nur, was das volksfeindliche System, welchem er sich bekennendermaßen verpflichtet fühlt, gesät hat. Mein Mitleid ist daher im Zaum zu halten.“

Die schweigende Mehrheit ist vernünftig, so hofft man wenigstens. Vielleicht sollte sie öfter mal den Mund aufmachen, damit diese Hoffnung lebendig bleibt.