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Donnerstag, 11.02.2016

Mit Widerspruch ist zu rechnen

Mit einem kritischen Blick auf die Flüchtlingspolitik beginnt an diesem Sonntag die neue Reihe der Dresdner Reden.

Von Karin Großmann

Naika Foroutan
Naika Foroutan

© dpa

Die Deutschen werden zu alt und haben zu wenig Nachwuchs, deshalb ist es gut, wenn junge Ausländer kommen. Mit diesem Argument aus der Demografiekiste begründen wohlmeinende Politiker ihre Haltung, wenn sie gegen Obergrenzen bei Flüchtlingszahlen streiten. Doch dieses Argument greift zu kurz, meint Naika Foroutan. Das Land sollte zunächst ein Bewusstsein für Ressentiments und Diskriminierung entwickeln. So etwas wie ein Ethos. „Wir brauchen eine Debatte über uns selbst“, sagt Naika Foroutan, 44, Professorin für Integrationsforschung und Gesellschaftspolitik an der Berliner Humboldt-Universität.

Sie eröffnet an diesem Sonntag, 11 Uhr, im Schauspielhaus die Reihe der Dresdner Reden und wird auch Einblick in jüngste Forschungsresultate geben. Der Gegenstand ihrer Arbeit ist vertrackt. Er verändert sich beinahe stündlich. Es ist nicht lange her, da konnte die Politologin verkünden, dass nach einer Umfrage 62 Prozent der Deutschen die Zuwanderung als Chance verstehen. Das sieht heute anders aus.

Naika Foroutan kam in den Achtzigerjahren nach Deutschland. Als Kind erlebte sie, was der Verlust der vertrauten Umgebung und was völliges Fremdsein bedeutet. Sie biss sich durch, studierte, gehört dazu. Die Erfolgsgeschichte der Wissenschaftlerin – der Vater Iraner, die Mutter Deutsche – steht für viele ähnliche Biografien.

Mit Widerspruch ist auch bei dieser Rede zu rechnen, das hat die Reihe an sich, seit sie vor über zwanzig Jahren startete. Der Auftakt mit Günter Gaus, Christoph Hein, Willy Brandt und Egon Bahr setzte Maßstäbe. Damals stand die Verlagsgruppe Bertelsmann im Hintergrund. Inzwischen bestreiten das Staatsschauspiel Dresden und die Sächsische Zeitung das Projekt gemeinsam. Mehr als achtzig Redner kamen bisher zu Wort, Schriftsteller, Politiker, Theaterleute, Wissenschaftler, Architekten und Vertreter der Kirche. Viele Veranstaltungen waren ausverkauft.

Der neue Jahrgang verspricht weitere anregende, streitbare Diskussionen. Am 21. Februar tritt der Schriftsteller Peter Richter ans Pult, der als Kulturkorrespondent der Süddeutschen Zeitung in New York arbeitet und mit dem Roman „89/90“ über seine Geburtsstadt Dresden ein großartiges Wendestück schrieb. Nun ist der heutige Zustand der Stadt sein Thema.

Am 28. Februar hält der Journalist Giovanni di Lorenzo, TV-Moderator und Herausgeber der Wochenzeitung Die Zeit, seine Dresdner Rede. Er wird über die Stärken und die Schwächen deutscher Medien angesichts der Flüchtlingspolitik sprechen. Karten für diesen Vormittag sind nur noch mit Glück zu haben.

Den Schlusspunkt unter die Reihe setzt einer, der erst anfängt: Joachim Klement, derzeit Generalintendant in Braunschweig und ab 2017 Chef des Dresdner Staatsschauspiels, stellt erstmals öffentlich seine Intentionen für die hiesige Bühne vor.

Karten für 9 € bzw. 7 € ermäßigt und mit SZ-Card in allen SZ-Treffpunkten, telefonisch über den SZ-Ticketservice unter 0351-84042002 oder online unter www.sz-ticketservice.de oder an den Kassen des Dresdner Staatsschauspiels, Tel. 0351-4913555