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Mit Graun und ohne Schrecken

Barockstar Julia Lezhneva singt wiederentdeckte Arien auf CD und am Sonnabend in der Dresdner Frauenkirche.

25.04.2017
Von Jens-Uwe Sommerschuh

 und ohne Schrecken
Julia Lezhneva, C. H. Graun, Opernarien.

© Decca/Universal

Julia Lezhneva singt wieder in Dresden! Die 27-Jährige, die von der Insel Sachalin im Fernen Osten Russlands stammt, verfügt über einen der aufregendsten Soprane unserer Zeit mit Akzent auf dem gesamten barocken Spektrum. Seit ihrem Durchbruch 2010 in Salzburg ist sie weltweit begehrt, man reißt sich um ihre Auftritte. Schön, dass sie wiederholt nach Dresden kommt. Zudem hat sie ein feines Gespür für Raritäten und Wiederentdeckungen im reichen, aber zu einem erheblichen Teil vergessenen Opernrepertoire des Barock. Kommenden Sonnabend wird sie in der Frauenkirche Stücke von Händel und Graun singen.

Bekannter als die Graun-Werke sind die beiden Partien der Rossane in der Oper „Alessandro“, die Händel 1726 in London auf die Bühne brachte, mit Faustina Boldoni in dieser Rolle, der späteren Gattin des designierten Dresdner Hofkapellmeisters Hasse. Von nicht geringerem Reiz sind die Arien aus den Opern von Carl Heinrich Graun, die selbst Barock-Experten bis vor Kurzem kaum ein Begriff waren. Graun, knapp 30 Jahre jünger als Händel, hatte als Hofkapellmeister von Friedrich dem Großen im 1742 eröffneten Opernhaus Unter den Linden im Schnitt zwei Opern pro Saison herausgebracht. Werke wie „Coriolano“ oder „Armida“, aus denen Julia Lezhneva Auszüge darbieten wird, waren fast vergessen. Gemeinsam mit Michail Antonenko von Concerto Köln hatte die Sängerin in der Berliner Staatsbibliothek für ihre aktuelle CD rund ein Dutzend Dacapo-Arien Grauns ausgewählt, von denen dann zehn zum ersten Mal überhaupt aufgenommen wurden: Tonträger-Weltpremiere also.

„Grauns Musik ist einfach und fließend“ schwärmt die Sopranistin, „nichts Künstliches ist darin, vielmehr Wahrhaftigkeit und Natürlichkeit.“ Mehr noch als Händel sah Graun weibliche Rollen auch für weibliche Diven vor, die damals oft noch im Schatten berühmter Kastraten standen. „Graun hat die natürliche Frauenstimme sehr geschätzt“, meint Lezhneva „und viele Partien mit großer emotionaler und dramatischer Bandbreite für Sängerinnen geschrieben“, so für Giovanna Astrua, die einst in Berlin gefeiert wurde und in deren Fußstapfen die Russin nun tritt.

Auf ihrer Graun-CD fasziniert sie, begleitet vom Concerto Köln, mit ihrer technischen Brillanz und ihrer außerordentlichen Ausdruckskraft. Es dürfte ein atemberaubender Abend werden, wenn sie am 29. April in der Frauenkirche, diesmal mit dem exzellenten Kammerorchester Basel, diese hier noch nie gehörten Arien anstimmt. Ergänzt wird das Programm um drei Instrumentalkonzerte aus Händels Opus 3, mit dem der gebürtige Hallenser das berühmte Concerto-grosso-Erbe Corellis weiterführte.

Tickets fürs Konzert unter 0351 656 06 701 oder per E-Mail: ticket@frauenkirche-dresden.de