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Freitag, 13.01.2017

Mit brennender Sorge

Es kommt überhaupt nicht darauf an, mit wem man spricht, sondern was man dabei sagt.

Von Michael Bittner

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Michael Bittner
Michael Bittner

© Ronald Bonß

Meine Kolumne stelle ich diesmal ganz in den Dienst an meinem geschätzten Mitkolumnisten Werner J. Patzelt. Seitdem ich jüngst las, er überlege, auf Einladung der „Alternative für Deutschland“ an einer Diskussion mit dem rechtsradikalen Aktivisten Götz Kubitschek teilzunehmen, treibt mich nämlich brennende Sorge um. Nicht, dass ich mich in den Chor derjenigen einreihen wollte, die schon die Teilnahme an einem solchen Gespräch zur Missetat erklären. Jeder muss selbst entscheiden, mit wem er reden möchte. Überhaupt kommt es nicht darauf an, mit wem man spricht, sondern was man dabei sagt.

Aber ich fürchte, Professor Patzelt ahnt gar nicht, in welcher Gefahr er schwebt! Er entspricht einem besonderen Feindbild von Götz Kubitschek nämlich genau. Spottet der doch am liebsten über Liberalkonservative, die wie Professor Patzelt „die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland“ verteidigen. Kubitschek sehnt sich hingegen danach, dieses „System“ zu „zerschlagen“, um „ein besseres an seine Stelle zu setzen“. Dazu sei eine politische „Umwälzung“ nötig, ein „neues 1789 oder 1917 oder 1933“.

Was stört den Mann an der Demokratie? Er verurteilt sie dafür, dass sie eine „Überfremdung“ zulasse, welche die „ethnokulturelle Identität“ Deutschlands wie die der anderen „weißen Nationen“ bedrohe. Aus Kubitscheks Sicht dürfte Professor Patzelt ein Komplize dieses Volksverrates sein, da er geregelte Einwanderung ja befürwortet. Während er Zuwanderer integrieren möchte, sind für Kubitschek auch deutsche Staatsbürger fremder Abstammung weiterhin „Ausländer“, gegen die man im tobenden „Vorbürgerkrieg“ gewaltsam vorgehen darf – „in bester Barbaren-Manier“.

Warum will nun dieser Barbar aus Schnellroda plötzlich reden? Vor einer Weile schrieb er doch noch: „Wozu sich auf ein Gespräch einlassen, auf eine Beteiligung an einer Debatte? Weil Ihr Angst vor der Abrechnung habt, bittet Ihr uns nun an einen Eurer runden Tische? Nein, diese Mittel sind aufgebraucht, und von der Ernsthaftigkeit unseres Tuns wird Euch kein Wort überzeugen, sondern bloß ein Schlag ins Gesicht.“ Professor Patzelt wird also wohl nicht nur Argumente, sondern auch seine soldatische Nahkampferfahrung brauchen. Hoffentlich kehrt er dank meiner Warnung ohne blaues Auge heim.

››› Alle Beiträge lesen Sie gesammelt im Spezial zur Kolumne „Besorgte Bürger“

Leser-Kommentare

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Insgesamt 10 Kommentare

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  1. Berg

    Praktisch/faktisch läuft es darauf hinaus, dass es bei akker Demokratie immer Regierung und Oppoasition gibt. So sortiert man den Bundestag, die Landtag, die Stadtparlamente und sogar die kleinen Gemeinderäte. Also hat auch IMMER der Kritiker, der Besserwisser, der Gegner eine legitime offene Bühne. Und da sich alle durch Wahlstimmen artikulieren, bleibt auch die Wählerschaft geteilt in Anhänger der gerade Regierenden und Oppositionelle. Nach der nächsten Wahl können sich die Verhältnisse ändern: der Oppositionelle erhält die Regierungsmacht, der vormals Regierende muss opponieren, kritisieren. Es ist ein Rollenspiel mit ständig wechselnden Darstellern.

  2. L.T.

    @Al Suchmaschine hilft ...

  3. Al

    @L.T.: Sicher hilft sie. Bei allem. Die Aussage ist auch klar. Oder was haben Sie daran nicht verstanden? Nicht die AfD ist das Problem, sondern sein Engagement für Glatzen und Bombenleger. Sind solche Personen Ihrer Meinung nach ernsthaft geeigent, Kinder zu lehren? Pegidiot PP zeigt doch bereits, dass es genug Hohlköpfe und Dumpfbacken gibt, die nix blicken. Vlt. hatte der "gute Leerkörper" aber auch nur Pech sich in Berlin zu bewerben. Im schwarz/braun-verseuchten Dresden bzw. Ost-Erzgebirge wären seine Chancen ggf. besser gewesen??

  4. Mighty

    @L.T.: Wenn ich so google finde ich dazu eigentlich nur den Aushilfslehrer in Berlin der allerdings an einer evangelischen Schule seine Tätigkeit für 3 Wochen ausübte und dann in der Probezeit wieder gekündigt wurde. Die Damit hat der Staat also erstmal nichts zu tun. Zudem dürfen diese strengere Maßstäbe anlegen. Beim Profil der Schule auch kein Wunder. Zudem nicht seine AfD Mitgliedschaft der Anlass war sondern sein Engagement bei Bärgida und seine Begeisterung für die Identidäre Bewegung ( beide unter Beobachtung des Verfassungsschutzes). Nun kommen wir nochmal zu ihrem Vorwurf zurück. Haben Sie noch andere Beispiele? Also solche wo an dem Vorwurf etwas dran ist? Oder meinen Sie etwa den Lehrer der mal gekündigt wurde weil er Mitglied in einer linken Partei war? Wurde aber per Gericht aufgehoben. Mehr finde ich grad nicht. Also nun mal raus mit den Fakten! Oder ziehen sie sich jetzt in die postfaktische Schmollecke zurück ;-)? Lassen sie uns doch eine offene Diskussion führen.

  5. jekas

    Kubitschek ist ja ein urdeutscher Name. Ebenso wie Kositza, wie seine Gattin heißt. Gelebtes Multikulti in Schnellroda.

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