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Donnerstag, 18.05.2017

Missglückte Mutation

Dresdens Musik-Uni bringt „Das schlaue Füchslein“ in einer Inszenierung heraus, die viele offene Fragen hinterlässt.

Von Jens Daniel Schubert

© Symmbolfoto: dpa

Leoš Janáceks Oper „Das schlaue Füchslein“ ist keine leichte Kost. Trotzdem wagte sich Dresdens Musikhochschule in bewährter Kooperation mit der Kunsthochschule und dem Staatsschauspiel an das Werk. Wie das Uni-Sinfonieorchester unter der umsichtigen Leitung von Franz Brochhagen es im Kleinen Haus zum Klingen, seine verschiedenen Farben zum Leuchten, seinen Reiz zur Geltung brachte, war ein schönes Erlebnis. Und das, obwohl der Zuschauer meist vor einer tristen schwarzen Wand saß und die Stimmungen der Musik keine Entsprechung auf der Bühne fanden.

Anregend war auch, die jungen Stimmen zu hören, die mit großem Einsatz und vielen überzeugenden Einzelleistungen ihr überwiegend beachtliches Können präsentierten. Geradezu frappierend waren auch überzeugende darstellerische Leistungen, etwa die Figurenbeziehungen zwischen Fuchs und Füchsin, gesungen und gespielt von Qing Wang und Seulki Jang. Kraftvoll und dennoch unbeholfen wirkte Nikolaus Nitzsche, der als Förster viel mehr Lebenserfahrung haben müsste als sein jugendlicher Darsteller. Eine quicklebendige Showeinlage bot Seongsoo Ryu als Schulmeister. Mit vollem Einsatz dabei waren auch die Studierenden des 1. Studienjahres im Chor und mit den kleinen Soloaufgaben.

Vielleicht gehörte es ja zu den Lehrzielen dieser Inszenierung, mit Engagement und in hoher Qualität Dinge zu tun, die überhaupt keinen Sinn ergeben. Vielleicht sollten die Studierenden lernen, in einem Inszenierungskonzept ihren Platz, ihre Nische zu finden, das in sich einfach nicht stimmt. Da es keinen Dramaturgen gab, muss die inszenierende Leiterin der Opernklasse, die Musikwissenschaftlerin Barbara Beyer, für diese unschlüssige Konzeption verantwortlich sein. An einem normalen Theater hätten vermutlich Chefdramaturg oder Intendant die Notbremse gezogen.

Die Studenten Valentin Reichert und Jakob Ripp als Ausstatter hatten die Figuren in pointiertes Einheitsgrau gekleidet, in einer gleichbleibend öden Landschaft mit wenigen Mitteln Handlungsorte installiert, die nicht immer definiert waren. Dazu kamen Filmsequenzen zwischen Stummfilm und Märchentrickfilm, Planetenflug und Atomschlag, die auf die Rückwand projiziert wurden. Und die schwarze Wand, das Brett vor dem Kopf des Zuschauers, zu den Zwischenspielen.

Das war alles sicher sehr genau durchdacht. Im Programmheft steht, das Stück spiele im Jahr 2143 und die Tiere seien „Mutanten“. Auf der Bühne gezeigt wurde es nicht, mehr noch wurde die schon in der Vorlage diskontinuierliche Geschichte verfremdet und weiter zerpflückt.

Fazit: Eine Hochschulproduktion sollte, im Interesse der Studierenden wie des zahlenden Publikums, für Zuschauer gemacht sein. So funktioniert das nicht.

Termine: 21., 24., 29. und 31. 5., 6. sowie 10. 6. im Kleinen Haus, DD; Kartentel. 0351/4913555