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Montag, 16.04.2018

Milos, der Großartige

Die Filmgemeinde trauert um den Regisseur Milos Forman. Der zweifache Oscar-Preisträger ist im Alter von 86 Jahren gestorben.

Von Barbara Munker

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Milos Forman
Milos Forman

© dpa

  • Milos Forman
    Milos Forman
  • Jack Nicholson spielte 1975 die Hauptrolle in Milos Formans Klassiker „Einer flog über das Kuckucksnest“.
    Jack Nicholson spielte 1975 die Hauptrolle in Milos Formans Klassiker „Einer flog über das Kuckucksnest“.

Ob „Einer flog über das Kuckucksnest“, „Amadeus“ oder „Hair“ - Milos Forman war ein Ausnahmeregisseur. Schon sein erstes Hollywood-Projekt wurde in Cannes ausgezeichnet, später bekam er zwei Oscars. Am Freitag starb Forman im Alter von 86 Jahren nach kurzer Krankheit.

Kollegen und Fans trauern. „Ein Genie der Kameraführung und ein Meister der Darstellung des menschlichen Daseins“, schrieb der spanische Filmstar Antonio Banderas auf Twitter. US-Schauspielerin Mia Farrow würdigte Forman als brillanten Filmemacher, der zugleich „stets liebenswürdig, großzügig, bescheiden und loyal“ war. „Milos der Großartige“, begeisterte sich Danny DeVito in einem Tweet. DeVito und Jim Carrey waren Co-Stars in Formans Film „Der Mondmann“ (1999) über das Leben des Komikers Andy Kaufman.

Als Forman 1976 mit seinem ersten Oscar für „Einer flog über das Kuckusnest“ in der Hand seiner Wahlheimat, den USA, für die Auszeichnung dankte, war der tschechische Akzent noch deutlich zu hören. Acht Jahre zuvor war er aus der CSSR in die USA emigriert, als sowjetische Panzer 1968 den Prager Frühling niederwälzten.

Forman, der zweimal Vater von Zwillingssöhnen war, lebte mit seiner dritten Ehefrau und den jüngeren, 1998 geborenen Söhnen im US-Staat Connecticut. Noch vor wenigen Jahren erinnerte er an die Schwierigkeiten, als Einwanderer Fuß zu fassen. Forman wurde 1932 in Mittelböhmen als jüngster Sohn eines Lehrers geboren. Er war acht Jahre, als seine Eltern von der Gestapo verhaftet und in Konzentrationslagern ums Leben kamen.

An der Prager Filmakademie lernte Forman sein Handwerk. Mit Filmsatiren wie „Die Liebe einer Blondine“ (1965) und „Der Feuerwehrball“ (1967) zählte er zu den Vorreitern der experimentierfreudigen Neuen Welle des tschechoslowakischen Films.

Sein erstes Hollywood-Projekt, die Generationen-Satire „Taking Off“ (1971), holte zwar in Cannes einen Jury-Preis, floppte aber im Kino. Für Forman begann eine Durststrecke, in der er seinen Vertrag verlor und um die Aufenthaltserlaubnis bangte. Mit „Einer flog über das Kuckucksnest“ wendete sich das Blatt. Mit der Mozart-Biografie „Amadeus“ (1984) besiegelte Forman seinen Erfolg in Hollywood.

Forman ging kontroverse Stoffe mutig an und führte häufig die Kehrseiten seiner Figuren vor. Reine Filmbiografien seien meistens „ziemlich langweilig“, meinte er. Bei „Amadeus“ stellte er den Konflikt zwischen den Musik-Rivalen Salieri und Mozart ins Zentrum. Mit „Kuckucksnest“ entfachte er eine Debatte über den Umgang mit psychisch kranken Menschen. „Larry Flynt – Die nackte Wahrheit“, die Geschichte des US-Verlegers des Pornoblattes „Hustler“, löste eine heftige Diskussion um dessen Rolle als Vorkämpfer der Meinungsfreiheit aus. Bei der Berlinale 1997 gab es dafür den Goldenen Bären.

Mit seinen erwachsenen Zwillingssöhnen aus erster Ehe inszenierte Forman 2007 am Nationaltheater Prag die Oper „Ein gut bezahlter Spaziergang“. Dass seine Söhne Petr (Co-Regie) und Matej (Bühnenbild) ihm zu Seite standen, war für ihn der glücklichste Moment seiner Karriere.

2012 meldete sich Forman noch einmal zurück, diesmal vor der Kamera. An der Seite von Catherine Deneuve und ihrer Tochter Chiara Mastroianni trat er in der französischen Musikromanze „Die Liebenden – von der Last glücklich zu sein“ auf. In der Rolle eines gealterten tschechischen Liebhabers kehrte Forman zu seinen Wurzeln zurück. (dpa)

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