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Donnerstag, 10.08.2017

„Meine alte Italienerin ist ganz schön launenhaft“

Beim Moritzburg Festival treten neben Stars auch Talente wie Tobias Feldmann auf. Sie lassen Schuberts Forellen tanzen und Mozarts Nachtmusik plätschern.

Von Bernd Klempnow

Tobias Feldmann mit seiner Violine von Niccolo Gagliano, die 1769 in Neapel gefertigt worden ist. „Sie gehört mir. Ich werde sie lange, lange abbezahlen.“
Tobias Feldmann mit seiner Violine von Niccolo Gagliano, die 1769 in Neapel gefertigt worden ist. „Sie gehört mir. Ich werde sie lange, lange abbezahlen.“

© Kaupo Kikkas

Keine Scheu vor großen Namen: Für den Geiger Tobias Feldmann ist es zwar eine neue Erfahrung, so viele Klassikstars auf einmal zu treffen, wie sie derzeit das Moritzburg Festival aufbietet. Aber zu viel Respekt hat er nicht. „Man stellt sich vor und ist dann gleich drin im Musizieren und beim Feilen an Details“, sagt der 26-Jährige. „Es ist doch toll, so erfahrene Kollegen hier zu treffen und in Ruhe mit ihnen zu arbeiten. Ich liebe solche Herausforderungen.“

Tatsache ist, dass es kaum ein anderes Kammermusikfestival in Europa gibt, bei dem Größen wie Baiba Skride, Louis Lortie, Felix Klieser und Lisa de la Salle regelmäßig mehrere Tage proben und konzertieren. Tatsache ist auch, dass Festivalchef Jan Vogler stets versucht, Talente der Szene in das Programm mit einzubeziehen. Das bringt neue Interpretationsansätze ins Spiel der „Alten“ etwa bei Schuberts „Forellenquintett“. Und die „Jungen“ bauen dank der besonderen, freundschaftlichen Atmosphäre der August-Tage in Moritzburg und der reizvollen, intimen Aufführungsorte mit Schloss und Kirche eine gewisse emotionale Beziehung zur Region auf. Sie, längst zu Stars gewachsen, kommen gerne wieder, wenn Vogler sie nach Moritzburg oder zu seinen Dresdner Musikfestspielen einlädt.

Dass auch Tobias Feldmann das Zeug zur künstlerischen Spitze hat, sind Experten überzeugt. Seit Kindesbeinen hat er Preise bei Wettstreiten aller Art gewonnen, etwa beim Louis-Spohr-Wettbewerb in Kassel, beim Kocian-Violinwettbewerb in Usti-nad-Orlici, beim Internationalen Joseph-Joachim-Wettbewerb in Hannover und beim Geigen-Supercup, dem Concours Musical Reine Elisabeth in Brüssel. Er habe das gern getan, weil „ich so feststellen konnte, wie hoch das internationale Niveau in meiner Altersgruppe war. Das hat meinen Horizont erweitert“.

Wohl ist die Wettbewerbsphase für ihn vorbei, dafür nehmen die Einladungen zu größeren und bedeutenderen Orchestern und Festivals zu. Sein Terminkalender ist ein Jahr im Voraus schon dicht gefüllt. Besonders gefreut hat ihn die Einladung nach Moritzburg. Das Kammermusizieren ist eine gute Schule, sagt er. „Man muss sensibel sein, sich auf die anderen Stimmen einlassen und sehr gut zuhören. Mal führe ich, dann begleite ich. Davon profitiert man auch als Solist bei Orchesterkonzerten.“ Vier Auftritte hat er beim Festival. Ein besonderer ist bei gutem Wetter am Sonnabend mit einer Wassermusik am und auf dem Schlossteich geplant. Als Dankeschön an die Gastgeber und das Publikum der stets ausverkauften Abende werden Musiker auf Booten und auf einer schwimmenden Bühne etwa Mozarts „Kleine Nachtmusik“ und den Sommer aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ spielen. Der Eintritt ist frei.

Und seine kostbare Geige macht so einen Ritt über den Moritzburger Teich mit? „Nein, wir bekommen für dieses Konzert andere, nicht so wertvolle Instrumente.“ Feldmanns Violine ist „ohnehin wie alle alten Italiener diven- und launenhaft genug, auch wetterabhängig.“ Seit anderthalb Jahren sind sie ein Team. „Ich bekomme allmählich ein Gespür, was diese Dame noch alles kann, wo ich weniger erzwingen sollte“, sagt der junge Geiger. Er weiß ja von den erfahrenen Kollegen, dass solche Partnerschaft zwischen Mensch und Instrument noch jahrzehntelang wachsen kann.