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Mittwoch, 16.08.2017 TV-Tipp

Mein blinder Bruder Shep

Erst als Rentner erfährt Izak: Er ist nicht das einzige Kind seiner Eltern. „Aidas Geheimnisse“ erzählt von seiner Spurensuche.

Von Andreas Heimann

Wiedersehen nach Jahrzehnten: Aida mit ihren Söhnen Izak (l.) und Shep.
Wiedersehen nach Jahrzehnten: Aida mit ihren Söhnen Izak (l.) und Shep.

© ARD

Der Dokumentarfilm „Aidas Geheimnisse“ erzählt eine unglaubliche Geschichte. Im Mittelpunkt steht Izak Szewelewicz, sein Bruder, von dem er nichts weiß, und die Mutter, die ihm vieles verschwiegen hat. Es geht um seine Suche nach sich selbst und nach den Antworten auf viele Fragen, die sich plötzlich stellen.

Izak Szewelewicz ist in Israel aufgewachsen, aber er wurde in Deutschland geboren, 1945 im ehemaligen KZ Bergen-Belsen. Seine polnischstämmige Mutter Aida (gesprochen Eida) war eine „Displaced Person“, ein Mensch ohne Heimat. Nach dem Krieg wanderte sie nach Kanada aus, gab zuvor aber ihren Sohn zur Adoption nach Israel frei. Erst in der Schule erfuhr Izak Szewelewicz, dass die Menschen, die er für Mutter und Vater hielt, nicht seine leiblichen Eltern waren. Selbst als er seine Mutter später in Kanada besucht hat, verschwieg sie ihm den Bruder. Erst mit 67 Jahren erfährt Izak von Sheps Existenz. „Wie soll er mich erkennen?“, fragt er sich, als er beschlossen hat, ihn in Kanada zu besuchen. „Wie soll er wissen, wer ich bin?“ Es sind berührende Fragen und berührende Szenen, als die beiden Brüder sich schließlich nach vielen Jahrzehnten in den Armen liegen. „Shep, mein Bruder!“, ruft Izak. „Ich habe dich gefunden!“ Gemeinsam suchen sie nach Erinnerungen und Gründen dafür, warum Shep mit dem Vater nach Kanada ausgewandert ist, Izak nach Irael geschickt wurde – und beide nichts voneinander wissen sollten.

Alon Schwarz drehte „Aidas Geheimnisse“ mit seinem Bruder Shaul, Izak Szewelewicz ist ihr Onkel. Das macht „Idas Geheimnis“ so bemerkenswert: Niemand anderes als Schwarz hätte diesen Film so drehen können, schon weil er als Familienmitglied bei vielen Gelegenheiten filmen durfte, bei denen andere hätten draußen bleiben müssen. Viele Szenen sind dadurch viel persönlicher, als sie sonst je sein könnten. Vor allem aber: Schwarz erzählt die Geschichte, ohne sie zu dramatisieren. Drama bietet sie von selbst schon genug. (dpa)

„Aidas Geheimnisse“, Mittwoch, 22.45 Uhr (ARD)