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Dienstag, 15.03.2016 Achtung Ironie

Mehr Volk!

Was reimt sich auf Erfolg? Genau. Unser Autor kommt einem Phänomen auf die Spur: wozu noch schlagende Argumente, wenn es doch ein universelles Schlagwort gibt.

Von Oliver Reinhard

Die Wiedervereinigung und Pegida ohne „Wir sind das Volk“? Undenkbar.
Die Wiedervereinigung und Pegida ohne „Wir sind das Volk“? Undenkbar.

© dpa

Allmählich wird es albern, dieses Rumgerätsel, was das Erfolgsrezept der vielen konservativen bis nationalen Bewegungen sein mag, die seit Monaten im Aufwind sind. Weil des Rätsels Lösung offensichtlicher gar nicht sein könnte: Das Volk ist‘s. Das „Volk“, um genau zu sein. Wer dieses Wort zur Vermarktung seiner Idee oder seiner Produkte benutzt, ist fein raus.

Das zeigt schon der Blick ins Stundenglas der Geschichte. Wo wären Hitler und NSDAP hingekommen ohne Werbegetrommel für ihre „Volksgemeinschaft? Wohin Volkswagen ohne das „Volk“ vorm Wagen? Das Radio ohne den „Volksempfänger“?

Dieses Erfolgsrezept findet bruchlos bis heute Anwendung. Kein Überleben der genossenschaftlichen Bankengruppe ohne das Wort „Volksbank“. Keine Millionenumsätze des deutschen Schunkelsounds ohne das alles und jeden integrierende Label „Volksmusik“. Ebenso wenig wäre der Fußball ein solches Milliardengeschäft als „Massensport“, nein, man erklärte ihn aus guten Gründen zum „Volkssport“.

Die Wiedervereinigung und Pegida ohne „Wir sind das Volk“? Undenkbar. Lutz Bachmann und Co. ohne „Volksverräter“? Absurder Gedanke. Die Morgenluft der AfD ohne deren Wiederbelebung der „Volksgemeinschaft“? Wäre ein laues Verdauungslüftchen geblieben. Und hätte Goethe zuletzt nicht „Mehr Licht!“ geseufzt, sondern „Mehr Volk!“; jede Wette, heute wüsste die komplette Nation sein finales Sätzlein auswendig.

Woraus man folgern darf: Wären die etablierten Parteien nicht so furchtbar etabliert, sie hätten schon längst erkennen müssen, wie sie ihren Wähler- und Bedeutungsschwund in einen Schub umkehren können: durch Umbenennung. In irgendwas mit Volk. Nach diesem Wahlsonntag aber dürfte es nur noch eine Frage von Tagen sein, bis aus der SPD die SVPD wird und aus der CDU die CDVU, bis die Grünen endlich Volksgrüne heißen und die Linke sich Linksvolk nennt. Sie aber, verehrte Leser, werden auch über diese Entwicklung aktuell auf dem Laufenden gehalten von Ihrer Sächsischen Volkszeitung.