erweiterte Suche
Dienstag, 21.03.2017

Mediziner, Männerbünde und eine ehrgeizige Frau

Die ARD will jetzt mit der historischen Krankenhaus-Serie „Charité“ an den Erfolg von „Weissensee“ anknüpfen.

Von Elke Vogel

Hilfswärterin Ida (Alicia von Rittberg, M.) steht im Mittelpunkt der aufwendig recherchierten und bis in Nebenrollen mit Könnern besetzten neuen ARD-Serie „Charité“.
Hilfswärterin Ida (Alicia von Rittberg, M.) steht im Mittelpunkt der aufwendig recherchierten und bis in Nebenrollen mit Könnern besetzten neuen ARD-Serie „Charité“.

© obs

Kein fließendes Wasser, kein elektrisches Licht. Der Krankenhaus-Alltag in der Berliner Charité ist Ende des 19. Jahrhunderts hart. Dennoch schreiben zu dieser Zeit dort Männer wie der Mikrobiologe Robert Koch, der Pathologe Rudolf Virchow, der Immunologe Emil von Behring und der Chemotherapie-Begründer Paul Ehrlich Medizingeschichte. Drei von ihnen erhielten später den Nobelpreis.

Die am Dienstag im Ersten startende historische Krankenhaus-Serie „Charité“ erzählt von diesen konkurrierenden Ärzten und Forschern – vor allem aber von der ehrgeizigen jungen Krankenpflegerin Ida Lenze, die sich gegen die Männerherrschaft auflehnt. Und auch Liebe und Leidenschaft kommen im Sechsteiler nicht zu kurz.

Mit der ambitionierten historischen Krankenhaus-Serie in der Regie von Sönke Wortmann will die ARD an den Erfolg der Serie „Weissensee“ anknüpfen. Mit ähnlich großer Sorgfalt wie in „Weissensee“ die DDR wird in „Charité“ das Klinik-Leben um das Jahr 1888 in Szene gesetzt. Auch inhaltlich setzt die Serie auf die richtige Mischung: Medizingeschichte und Politik, Gesellschaftsleben und Zwischenmenschliches in der Wilhelminischen Zeit.

Die junge Waise Ida schleppt sich mit akuter Blinddarmentzündung in die „Charité“. Ein Kampf auf Leben und Tod beginnt. Oberin Martha empfiehlt kalte Leibwickel. „Der Körper muss sich selbst heilen – mit guter Pflege und Gottes Hilfe“, sagt Martha, die gegen den „Ungeist des sogenannten Fortschritts“ kämpft. Doch der ist nicht aufzuhalten. Im Auditorium wird Ida operiert – und überlebt.

Weil sie die Behandlungskosten aber nicht bezahlen kann, muss sie ihre Schulden abarbeiten. Als „Hilfswärterin“ pflegt sie an der Seite der Diakonissen und weltlichen Wärterinnen die Kranken. Die 23-jährige Alicia von Rittberg spielt die junge Frau, die für ein selbstbestimmtes Leben kämpft. Ida möchte Medizin studieren, doch ein Studium ist Frauen im Deutschen Reich verboten. „Für eine Frau haben Sie ja ungewöhnliche Interessen“, meint Doktor von Behring missbilligend. Die gebürtige Münchnerin von Rittberg stand schon mit internationalen Stars wie Brad Pitt in „Herz aus Stahl“ und Ewan McGregor in „Verräter wie wir“ vor der Kamera. Ihre Ida spielt sie als sympathischen, sensiblen Dickkopf. In der Schweiz könnte Ida Medizin studieren. Doch da sind in Berlin auch noch zwei Männer, für die sie Gefühle hat: Der hochmütige Forscher und Arzt von Behring und der Medizinstudent Georg Tischendorf, der als begabter Künstler nur seinem Vater zuliebe studiert und die Männlichkeitsrituale in einer schlagenden Verbindung mitmacht.

Das dicht gewebte und aufwendig recherchierte Drehbuch setzt Regisseur Wortmann gekonnt um. Nie verheddert sich die Story in Handlungssträngen. So ist trotz Liebeleien „Charité“ eindeutig keine Krankenhaus-Soap geworden, sondern eine spannende, fundierte und packend inszenierte Serie. (dpa)

„Charité“, 20.15 Uhr, ARD