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Donnerstag, 19.04.2018

MDR im Kreuzfeuer

Nach Rassismus-Vorwürfen sagte der Sender eine Live-Debatte im Radio ab, will sie jetzt aber so schnell wie möglich nachholen.

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Kerstin Köditz, Landtagsabgeordnete der Linken, sagte ihre Teilnahme an einer MDR-Diskussionsrunde ab, weil die Sendungsankündigung „völlig indiskutabel“ gewesen sei.
Kerstin Köditz, Landtagsabgeordnete der Linken, sagte ihre Teilnahme an einer MDR-Diskussionsrunde ab, weil die Sendungsankündigung „völlig indiskutabel“ gewesen sei.

© SZ/Uwe Soeder

So viel Aufmerksamkeit bekommt der MDR nicht oft. Seit der Sender eine für Dienstagabend angesetzte Diskussionsrunde per Twitter mit der Frage „Darf man heute noch ,Neger‘ sagen?“ angekündigt hatte, steht er selbst medial im Fokus. Über die sozialen Medien hagelte es umgehend Proteste und Rassismus-Vorwürfe, anschließend schaffte es der MDR sogar in die überregionalen Schlagzeilen.

Ursprünglich ging es nur darum, eine Live-Debatte auf MDR Sachsen über politische Korrektheit zu bewerben. Auf erste via Twitter eingegangene Entsetzensäußerungen reagierte die Redaktion noch trotzig. „Bitte lesen Sie sorgfältig und nicht nur die Überschrift. Dann haben Sie die Chance, den Inhalt der Sendung vollständig zu erfassen“, hieß es da. Später ruderte man zurück, entschuldigte sich und sagte die Sendung schließlich ab. Nicht zuletzt, weil zwei der vier eingeladenen Gäste ihre Teilnahme absagten.

Eine davon ist die sächsische Linken-Abgeordnete Kerstin Köditz. „Ich kannte den Titel der Sendung nicht“, sagte die Landespolitikerin der Sächsischen Zeitung. Angefragt gewesen sei sie zum Thema „politische Korrektheit“. Das sei ein „Kampfbegriff“ der Rechten. Ziel sei gewesen, ihn nicht unwidersprochen zu lassen, erklärte Köditz gemeinsam mit dem Politologen Robert Feustel. Der Wissenschaftler hatte seine Teilnahme an der Sendung ebenfalls kurzfristig abgesagt.

Das Thema, kritisierten Köditz und Feustel, sei durch die kurzfristige Ankündigung in eine Richtung gedreht worden, „die vollends indiskutabel ist“. Sie bemängelten zudem, dass keine Menschen eingeladen worden seien, die von Rassismus betroffen sind. Sie distanzierten sich jedoch auch von der teils unsachlichen Kritik. „Wir danken denen, die uns sensibilisiert haben. Der von weiteren Beleidigungen nur so gespickte Shitstorm ist dagegen sinnlos und unwürdig.“

Bernhard Holfeld, Hörfunk-Chef bei MDR Sachsen, fasst das Ganze kurz zusammen: „Ja, wir haben einen Fehler gemacht.“ Zugleich betont er: „Nein, der MDR hat keineswegs ein Rassismus-Problem.“ Um eine Kontroverse über Filterblasen hinweg anzuzetteln, habe man das Thema der Sendung bewusst zugespitzt, sei dabei aber offensichtlich übers Ziel hinausgeschossen. Er bedauere die Absagen von Köditz und Feustel und damit das Aus für die Sendung, zumal er selbst den ausgelösten Shitstorm als Teil der Debatte sehe, die dringend geführt werden müsse. Holfeld: „Wir wollen die Diskussion dennoch unbedingt und so schnell wie möglich senden.“ Er würde sich freuen, wenn Köditz und Feustel dann wieder mit im Boot wären. Und unbedingt wolle man für den zweiten Versuch einen Gast, der selbst Rassismus erlebt hat, einladen. (SZ/ada, ale)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 52 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Th. Schmidt

    Wie hier ideologisch die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird ist schon krank. Wenn ich über einen Begriff diskutieren möchte, muss ich ihn auch nennen. Es war eine Frage! Wenn man darüber diskutiert wird dann wohl, wie bei einem Schager von Drews, immer ein Pipp gesendet? Der vorauseilende Gehorsam des Senders macht schon Angst, weil man bemerkt, wie links diese Gesellschaft schon durchmischt ist und diese haben offensichtlich das Meinungsmonopol.Wer legt überhaupt fest, dass dies ein Schimpfwort ist? Steht das im Duden hinter dem Begriff? Für mich war das zu keiner Zeit ein Schimpfwort und wird es auch nicht sein. Ist "Weißer" auch ein Schimpfwort, weil es schon mißbraucht wurde eine Völkerschicht herab zu würdigen?

  2. Klara Fall

    Was das Wort Neger mit Rassismus zu tun hat, das erschließt sich wohl nur den Dauerempörten. Ein Neger ist nun mal ein Neger. Soll man demnächst zum Europäer nicht mehr „Weißer“ sagen dürfen? .Diese PC ist so was von irre. 1984 lässt grüßen! Das schlimme ist, daß über den Schwachsinn überhaupt diskutiert werden sollte und die, die an den sinnlosen Diskussionen schuld sind, die stellen sich nicht mal den Diskussionen!

  3. Freier Bürger

    Einfach lächerlich diese Diskussion um den Staatssender MDR. Da wird auf politischen Druck irgendwelcher Gutmenschen (welche alle aus Steuergeldern der deutschen Bürger finanziert werden) eine weitere Sendung verboten. Dies ist Zensur in ihrer übelsten Form. Doch dies ist bei diesem Sender und in diesem Staat nicht anders zu erwarten.

  4. Horst

    Was ist denn das für ein Kindergarten? Genau das ist das Problem - natürlich war der Titel provozierend, aber Frau Köditz und Herr Feustel wollen einfach nur stigmatisieren und skandalisieren und entziehen sich einer sinnvollen Diskussion. Natürlich darf man heute nicht mehr Neger sagen. Man muss aber darüber diskutieren können, ohne dass zusammenhangslos eine Vokabel direkt zur Verurteilung "Rassismus" führt. Es wird immer wieder eine sinnvolle Diskussion in der Sache verhindert, indem von vornherein etwas als politisch inkorrekt gebrandmarkt wird. Ist Böhmermann auch ein Rassist wegen seinem Schmähgedicht? Er hat darin ebenso rassistische Äußerungen pointiert genutzt, um auf etwas aufmerksam zu machen. Aber klar, der MDR hat ein Rassismusproblem...tut mir leid, bitte macht zu dem Thema trotzdem eine Sendung, dann halt ohne Frau Köditz und Herrn Feustel.

  5. Peter

    Biedenkopf sagte eins, Sachsen hätte kein Problem mit Rechtsradikalen. Die Tradition wird fortgeführt, jetzt ist es der MDR, der das macht.

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