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Mittwoch, 16.10.2013

Man tut sich schwer mit Diktatur

Antike Scherben und Urkunden aus dem Mittelalter: Interessant - aber Heimatmuseen sollten mehr bieten, meinen Historiker. Sie kritisieren die fehlende Behandlung von NS- und DDR-Diktatur in ostdeutschen Museen.

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Im Heimatmuseum Falkenstein im Vogtland wird eine Auswahl von Moosmännern und -weibeln präsentiert. Nach Meinung von Experten tun sich Heimatmuseen in Ostdeutschland schwer mit Diktaturen. (Archivbild)
Im Heimatmuseum Falkenstein im Vogtland wird eine Auswahl von Moosmännern und -weibeln präsentiert. Nach Meinung von Experten tun sich Heimatmuseen in Ostdeutschland schwer mit Diktaturen. (Archivbild)

© dpa

Potsdam. Ostdeutsche Museen setzen sich aus Expertensicht zu unkritisch mit dem 20. Jahrhundert auseinander. „Die Geschichte des Nationalsozialismus ist in vielen Museen in Ostdeutschland immer noch ein Randthema“, kritisierte der Museumsverband Brandenburg. Aber auch die DDR-Diktatur und die Verfehlungen der Bürger im SED-Staat würden von Heimat- und Regionalmuseen nur ungenügend thematisiert: „Es gibt da eine gewisse Beißhemmung“, sagte Irmgard Zündorf vom Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam der Nachrichtenagentur dpa.

Auf einer Fachtagung (17. - 19.10.) wollen Wissenschaftler sich näher mit dem Phänomen beschäftigen. „Entnazifizierte Zone? Zum Umgang mit der Zeit des Nationalsozialismus in ostdeutschen Stadt- und Regionalmuseen“ heißt die dreitägige Veranstaltung im Potsdam Museum - Forum für Kunst und Geschichte. Kooperationspartner sind neben dem Museumsverband Brandenburg und dem ZZF die Landeszentrale für politische Bildung und die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Lokale und regionale Museen könnten zu einer aktiven Auseinandersetzung mit und zur Abwehr von rechtsradikalen Haltungen und Gesinnungen beitragen, erklärten die Veranstalter. Dafür sei allerdings eine „differenzierte Darstellung der örtlichen NS-Geschichte in den Museen unverzichtbar“.

Oft Ende 19. Jahrhundert Schluss

Heimatmuseen seien dafür da, um Identität zu schaffen, erläuterte ZZF-Historikern Zündorf. Oft gehe es in den Ausstellungen um erste urkundliche Erwähnungen des Ortes, über Funde aus dem Mittelalter bis hin zu wichtigen Industriezweigen in der Neuzeit. Ende des 19. Jahrhunderts sei dann aber häufig Schluss mit dem Rückblick auf die Ortsgeschichte: Dass im 20. Jahrhundert ein NS-Gruppenführer in jener Straße wohnte oder wer im Dorf beim SED-Apparat Karriere bei der Stasi machte - „Das möchten viele lieber nicht thematisiert sehen.“

„Leere Gesten? Darstellungmuster in Ausstellungen zur NS-Zeit“ oder „Ein heißes Eisen? Keramik aus der NS-Zeit im Keramik-Museum Berlin“ heißen die Themen und Vorträge bei der Fachtagung. Aber auch über aktuelle Fragen wie über den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche soll diskutiert werden. Zudem wird über die Bedeutung der Gedenkstätten in den ehemaligen NS-Konzentrationslagern debattiert, die eine wichtige Rolle in der Erinnerungs- und Aufarbeitungskultur spielen.

„Lokale Nähe ist gerade wichtig für eine Erinnerungsarbeit, die auch und vor allem die junge Generation erreichen will“, meinte der Berliner Erziehungswissenschaftler Klaus Ahlheim. Für Jugendliche sei die Zeit des Nationalsozialismus und seiner Menschheitsverbrechen schon unendlich weit weg, fast so weit wie Karl der Große. Da seien Museen und Gedenkstätten bei der Überbrückung der zeitlichen Distanz hilfreich und lernfördernd, meinte Ahlheim: „Wir brauchen also gute lokale Museen und Erinnerungsorte.“ (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. AR

    Sollte in ostdeutschen Museen die s.g. "DDR-Diktatur" richtig behandelt werden, würden sich wohl einige Leute die Augen putzen. Man müßte alle Fakten darstellen. Auch solche wie z.B. Handelsembargos seitens der USA und die daraus folgenden Wettbewerbsnachteile. Oder wie die DDR als Billigproduzent für den Westen gebraucht/misbraucht wurde. Wie die bedingungslose Kapitulation 1990 von statten ging, möchte ich hier garnicht erst anreißen. Stattdessen lese, sehe und höre ich ständig, in sämtlichen Medien, wie ausschließlich das negativ Image der DDR bewußt hervorgehoben wird. Ich möchte gern wissen, wo diese Historiker herkommen? Und das die DDR in diesem Artikel im gleichen Atemzug mit der NS - Zeit genannt wird, ist ja wohl der Gipfel.

  2. peter-michael

    Man kann AR bedingt recht geben uns Deutschen soll immer wieder gemeinsame Schuld an 2 Weltkriegen an NS Herrschaft - und DDR Verwerfungen gegeben werden An die Wurzeln geht man nicht wie konnte Hitler an die Macht kommen u. Volk blenden dafür brauchte es viel Geld das bekam er zunächst von der Bank Warburg mehrere Millionen dann zahlte auch Henry Ford wie ja vorher die USA auch Lenin finanzierten -immer in dem Sinne das man dann alles steuern kann jüngste Vergangenheit Bin Laden auch ein solches Produkt welches dann zum Feind wurde - die Teilung Deutschlands - war ebenso der Wille der Alliierten deren Kriegsverbündete Sowjetunion nach dem Sieg über Deutschland sofort zum Feind wurde -Adenauer von US Gnaden tat dann sein weiteres für die deutsche Teilung immer spielten Machtinteressen von Politikern eine Rolle nie wurde das Volk gefragt u.wird es auch heute nicht siehe sinnlose Millionenschluckende militärische Auslandseinsätze der BUWE - die nun endlich kämpfen lernte so der Minister

  3. K+A

    Warum macht man ostdeutsche Museen in diesem Fall zum Thema? Die Vergangenheit darzustellen ist eine Aufgabe der Museen - und die Art und Weise ist durch jeden Leiter selbst zu definieren. Bei aller geführter Diskussion zwei Anregungen - 1. Statt einer Pauschalverurteilung (darum handelt es sich) sollten positive und weniger positive Beispiele benannt werden, denn es gibt beide. 2. Wie sieht es denn in den "westdeutschen" Heimatmuseen aus? Gibt es hier vorbildlichere Aufarbeitungen? Und - gibt es hier überhaupt eine kritische Aufarbeitung der Vergangenheit nach 1945? Ich möchte abschließen mit einem Hinweis auf das aktuelle Programm der Herkuleskeule "Schaller und Schulze" in dem genau auf bissigste satirische Art und Weise die Frage nach dem Sieger und Verlierer / nach gut und böse im Innerdeutschen gestellt wird.

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