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Dienstag, 05.01.2016

Man muss die Richtigen treffen

Eine Migrationsforscherin, ein Schriftsteller, ein Chefredakteur und der künftige Intendant des Dresdner Staatsschauspiels: Der neue Jahrgang der Dresdner Reden vereint vier Menschen mit kritischem Blick auf die Zeit.

Von Karin Großmann

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Vier Redner mit kritischem Blick auf die Zeit.
Vier Redner mit kritischem Blick auf die Zeit.

© [M] szo

  • Vier Redner mit kritischem Blick auf die Zeit.
    Vier Redner mit kritischem Blick auf die Zeit.
  • Naika Foroutan, Politologin.
    Naika Foroutan, Politologin.
  • Peter Richter, Schriftsteller und Journalist.
    Peter Richter, Schriftsteller und Journalist.
  • Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der Zeit.
    Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der Zeit.
  • Joachim Klement, bald Intendant in Dresden.
    Joachim Klement, bald Intendant in Dresden.

Das Kopftuch wird bei muslimischen Frauen immer beliebter; viele junge Türken verweigern den Deutschunterricht; fast ein Viertel der Gewalttaten in Berlin gehen auf das Konto von Arabern. Als Buchautor zaubert Thilo Sarrazin noch viel mehr Thesen dieser Art aus dem Hut. Naika Foroutan hat sie widerlegt. Die Politologin recherchierte die Fakten bei Behörden und anerkannten Instituten und publizierte einen „empirischen Gegenentwurf“ zu Sarrazin. Seitdem ist ihre Meinung gefragt im Dialog zwischen Alteingesessenen und Neuankömmlingen, zwischen dem Westen und der islamischen Welt.

Naika Foroutan, 1971 in Boppard als Tochter einer Deutschen und eines Iraners geboren, wurde im Sommer an die Berliner Humboldt-Uni als Professorin für „Integrationsforschung und Gesellschaftspolitik“ berufen. Am 14. Februar eröffnet sie den neuen Jahrgang der Dresdner Reden.

Die Reihe wird seit über zwanzig Jahren in Kooperation von Staatsschauspiel Dresden und Sächsischer Zeitung veranstaltet und ist auch 2016 hochkarätig besetzt. An vier Sonntagvormittagen gibt das Dresdner Schauspielhaus Raum für engagierte Auseinandersetzungen. Die brisante politische Lage im Land liefert reichlich Anlass für den Streit um die überzeugendsten Argumente.

Die Politologin Naika Foroutan denkt zum Auftakt darüber nach, was es für Deutschland bedeutet, ein Einwanderungsland zu sein.

Der Schriftsteller Peter Richter ist zumindest vorübergehend aus Deutschland ausgewandert. Er arbeitet als Kulturkorrespondent für die Süddeutsche Zeitung in New York. Gelegentlich kommt er nach Dresden zurück, wo er 1973 geboren wurde. Im Vorjahr stellte er hier seinen jüngsten Roman „89/90“ vor. Während er drin im Hotelcafé über die Dresdner Montagsdemonstrationen im Wendeherbst las, riefen draußen die Demonstranten, sie seien das Volk. Bei aller Skepsis findet Peter Richter, „dass Dresden am Ende doch immer wieder sehr, sehr herrlich sein kann, und die allermeisten Leute, die man da trifft, auch. Man muss halt die Richtigen treffen.“ Was es bedeutet, ein Dresdner zu sein, thematisiert der Schriftsteller Peter Richter am 21. Februar in seiner Rede.

Schwierigkeiten mit der Herkunft hat Giovanno di Lorenzo mehrfach erlebt. Sein erster Zeitungsartikel erschien unter dem Pseudonym Hans Lorenz. Der richtige Name war dem zuständigen Redakteur zu fantasievoll. Bei der Europawahl 2014 stimmte Giovanni di Lorenzo gleich doppelt ab, als deutscher Staatsbürger und als italienischer. Der Journalist, 1959 geboren, wuchs zunächst in Rom auf. Seine Medienkarriere führte über wechselnde Stationen zum Tagesspiegel, wo er einer der Herausgeber ist. Als Chefredakteur führt er seit 2004 die Wochenzeitung Die Zeit. Im Fernsehen ist Giovanni di Lorenzo als launiger, einfühlsamer und mitunter hartnäckiger Moderator in der Talkshow „3 nach 9“ zu erleben. In Büchern veröffentlichte er Gespräche mit Helmut Schmidt, in denen es auch um die Rolle der Medien geht. Sind sie vierte Gewalt oder fiese Gewalt? Das fragt Giovanni di Lorenzo in seiner Rede am 28. Februar.

Die Reihe beendet einer, der erst anfängt: Joachim Klement, Generalintendant am Staatstheater Braunschweig, stellt sich erstmals der Öffentlichkeit als neuer Chef des Dresdner Hauses vor, das er mit Beginn der Spielzeit 2017 übernimmt. Klement, Jahrgang 1961 und bekennender Protestant, sammelte dramaturgische Erfahrungen in Graz, Hamburg, Mannheim, Bremen und Düsseldorf und interessiert sich besonders für neue Handschriften. Das Festival für junge Regietalente aus europäischen Ländern bringt er von Braunschweig nach Dresden mit. Am 6. März spricht er hier über das Theater als Kunstform und als Bühne für die Bürger der Stadt.

Dresdner Reden am 14., 21., 28. Februar und 6. März, jeweils 11 Uhr, Schauspielhaus Dresden, Karten für 9 € bzw. 7 € ermäßigt und mit SZ-Card in allen SZ-Treffpunkten, telefonisch über den SZ-Ticketservice unter 0351 84042002 oder online unter www.sz-ticketservice.de oder an den Kassen des Dresdner Staatsschauspiels, Tel. 0351 4913555