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Freitag, 22.02.2008

Kunst vor dem Verfall retten

Kulturstiftungen von Bund und Ländern wollen Kulturgüter restaurieren.

Von Nadine Emmerich

Umbrische Tafelbilder aus dem Lindenau-Museum im thüringischen Altenburg können schon seit Jahrzehnten nicht mehr ausgestellt werden. Die 15 frühitalienischen Gemälde sind in einem schlechten Zustand und vom Verfall bedroht. „Die Maloberfläche splittert ab“, sagte die Dezernentin der Kulturstiftung der Länder, Britta Kaiser-Schuster, gestern in Berlin.

Auch andere Kulturgüter müssen dringend restauriert werden. Dazu starteten die Kulturstiftungen des Bundes und der Länder das Kur-Programm, für das sieben Millionen Euro zur Verfügung stehen. Aus 121 Anträgen von Museen, Archiven und Bibliotheken wählte eine Jury 26 Projekte mit kulturgeschichtlich bedeutsamen Exponaten aus. Dazu gehören auch historische Tasteninstrumente aus Weimar und Halle, mittelalterliche Grabtextilien aus Speyer und historische Waffen aus dem Thüringer Landesmuseum Heidecksburg.

Wachs-Moulagen in Dresden

Die Generaldirektorin des Bayerischen Nationalmuseums, Renate Eikelmann, die auch Mitglied der Jury ist, verwies auf den Fall der naturnahen Darstellung von Krankheitsbildern in Wachs aus dem Deutschen Hygiene-Museum in Dresden. Das Museum besitze mit rund 2000 Objekten eine der weltweit größten Sammlungen dieser sogenannten Moulagen. Etwa 50Prozent davon seien jedoch geschädigt. Schlecht bestellt ist es auch um die 260000 Tierpräparate im Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität Berlin, die in Gläsern mit Alkohol konserviert sind. Undichte Verschlüsse und Temperaturschwankungen lassen den Alkohol verdunsten. Die Darstellungen der mittelalterlichen Glasmalereien im Hohen Chor des Erfurter Doms seien durch Umwelt- und Wettereinflüsse zum Teil kaum noch zu erkennen.

Die Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, Isabel Pfeiffer-Poensgen, sagte, in den vergangenen Jahren seien Restaurierungen durch begrenzte finanzielle Mittel kaum möglich gewesen. Zudem hätten viele Museen keine eigenen Restauratoren mehr. Viele Sammlungsbestände sei derzeit nicht nutzbar. Es gebe jedoch auch eine Verantwortung künftigen Generationen gegenüber, Kulturgüter zu erhalten.Pfeiffer-Poensgen forderte einen Bewusstseinswandel und betonte: „Es geht nicht nur um die großen Blockbusterausstellungen mit den langen Schlangen vor der Tür.“ (ddp)