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Donnerstag, 14.02.2013

Kunst-Pionierin Yoko Ono tritt mit 80 aus dem Schatten ihres Mannes

1966 stand John Lennon auf einer Leiter in einer Londoner Galerie und verliebte sich in Yoko Ono. Kein Wunder: Die kleine Japanerin steckte voller witziger, poetischer Ideen.

Von Sandra Trauner

Die Bildkombo zeigt die Lennon-Witwe Yoko Ono in der Rotunde der Kunsthalle Schirn in Frankfurt am Main (Hessen) während einer Tanzeinlage. Vier Tage vor ihrem 80. Geburtstag eröffnet die Künstlerin die Ausstellung «Yoko Ono. Half-A-Wind Show» mit ihren Kunstwerken. Die Retrospektive läuft bis zum 12. Mai und zeigt an die 100 Objekte, Filme, Installationen, Fotos, Zeichnungen, Texte und Musik von den 1960er Jahren bis zu aktuellen Werken. Sie gilt als Wegbereiterin der Konzept-, Film- und Performancekunst.
Die Bildkombo zeigt die Lennon-Witwe Yoko Ono in der Rotunde der Kunsthalle Schirn in Frankfurt am Main (Hessen) während einer Tanzeinlage. Vier Tage vor ihrem 80. Geburtstag eröffnet die Künstlerin die Ausstellung «Yoko Ono. Half-A-Wind Show» mit ihren Kunstwerken. Die Retrospektive läuft bis zum 12. Mai und zeigt an die 100 Objekte, Filme, Installationen, Fotos, Zeichnungen, Texte und Musik von den 1960er Jahren bis zu aktuellen Werken. Sie gilt als Wegbereiterin der Konzept-, Film- und Performancekunst.

© dpa

Frankfurt/Main. Sie ließ sich auf der Bühne die Kleider vom Leib schneiden, verkaufte frische Luft aus Kaugummiautomaten, erklärte das Anreißen eines Streichholzes zur Kunst, verhüllte in Nacht-und-Nebel-Aktionen Denkmäler. Yoko Ono war als Künstlerin ihrer Zeit voraus. Vieles, was sie schon in den 1960er Jahren in Tokio, New York und London realisierte, wurde erst viel später hip.

Kurz vor ihrem 80. Geburtstag am 18. Februar schickt sich die Frankfurter Kunsthalle Schirn an, hinter Yoko Onos öffentlicher Rolle als Witwe John Lennons die Künstlerin sichtbar zu machen. Einfach ist das nicht, gibt Kuratorin Ingrid Pfeiffer zu: «Ihr Werk besteht nicht aus Material, sondern aus Ideen.»

Möglicherweise war Ono die erste, die Kunst zum Mitmachen machte. «Das Werk wird nur dann Realität, wenn andere es realisieren», sagte sie schon vor 50 Jahren, hängte zerfetzte Lappen in eine Galerie und lieferte via «Instruction-Paintings» die Gebrauchsanleitung dazu: darauf herumtrampeln, Wasser draufspritzen oder auf die Leiter steigen, um ein mini-klein geschriebenes Wort an der Decke zu lesen.

Heute allerdings ist die weiße Leiter in der Schirn für Besucher tabu - schließlich stand 1966 John Lennon darauf und versuchte gerade das «Yes» an der Decke zu entziffern, als er sich unsterblich verliebte. Wie ein Geist spukt der 1980 ermordete Musiker durch diese Ausstellung. In der Rotunde, wo Onos Biografie dokumentiert wird, hängen Fotos von berühmten gemeinsamen Happenings wie dem «Bed-In for Peace» auf ihrer Hochzeitsreise. Dort, wo es um Onos Musik geht, findet sich ein Plattencover mit Lennons blutverschmierter Brille.

Bevor andere mit ähnlichen Ideen weltbekannt wurden, schlug sie Nägel in eine Leinwand, verpackte den Löwen auf dem Londoner Trafalgar-Square, ersann einen Fernseher, der auf allen Kanälen nur Himmel zeigte, erkannte in jeder Art von Geräusch Musik. Für die Installation «Half-A-Room» sägte sie Möbel in der Mitte auseinander - sie wollte am Ende einer schwierigen Beziehung das Gefühl des Halb-Seins verdeutlichen, erklärte sie in Frankfurt.

Yoko Ono verkaufte auf dem Dach ihres Hauses Glasscherben als künftige «gute Morgen», versandte «Streichel-Gedichte» mit aufgeklebten Locken, ließ eine Fliege in extremer Nahaufnahme über einen nackten Frauenkörper krabbeln - ein wahres Füllhorn an «humorvollen, poetischen, tiefgründigen und skurrilen Ideen», findet die Kuratorin. «Eine der originellsten Künstlerpersönlichkeiten unserer Zeit», sagt Schirn-Direktor Max Hollein.

Zwei Mankos gibt es allerdings: Vieles, was ausdrücklich zum Mitmachen gedacht war, hängt nur museal an Wänden oder steht auf «Nicht betreten!»-Sockeln. Und die meisten von Onos neueren Arbeiten erweisen sich als Varianten alter Ideen.

Die Ausstellung «Half-A-Wind Show» ist laut Schirn die umfassendste Retrospektive, die je in Europa zu sehen war. Nach dem 12. Mai wandert sie weiter nach Dänemark, Österreich und Spanien. Dort dürfen die Besucher dann - bei der erst 2013 entstandenen jüngsten Arbeit - in Säcke schlüpfen und als «Moving Montains» zu Yoko Onos Gesang durch die Ausstellung wanken. (dpa)

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