erweiterte Suche
Dienstag, 05.12.2017 TV-Tipp

Kleine Stadt von Welt

Eine MDR-Reportage erzählt die Geschichte Herrnhuts und ihrer schönen Adventssterne.

Von Rainer Kasselt

Herrnhuter Legende: Ein kleiner Plastikstern entsteht. Dafür spannt die Arbeiterin einen Grundkörper in eine Vorrichtung und klebt die Zacken aus Polyurethan einzeln auf.
Herrnhuter Legende: Ein kleiner Plastikstern entsteht. Dafür spannt die Arbeiterin einen Grundkörper in eine Vorrichtung und klebt die Zacken aus Polyurethan einzeln auf.

© MDR

Mit einem Schwärmer, Träumer und Hobbytheologen fing alles an. Der junge Graf Nikolaus von Zinzendorf will Jesu „Seelen zuführen“ und das „Beste in allen Religionen entdecken“. Mithilfe mährischer und böhmischer Glaubensflüchtlinge, denen er Asyl gewährt und Land schenkt, gründet er 1722 in der Oberlausitz das kleine Nest Herrnhut, „unter der Obhut des Herrn“. Hier nahm die Herrnhuter Brüdergemeine, auch Brüder-Unität genannt, als eigenständiger Zweig der protestantischen Kirche ihren Anfang. Bald zogen die ersten Glaubensbrüder als Missionare auf mehrere Kontinente und predigten Gleichheit und Gewaltfreiheit. Heute zählt die Brüdergemeine weltweit 1,3 Millionen Mitglieder. In Deutschland sind es 6 000.

Ein Film aus dem Dresdner MDR-Landesfunkhaus erzählt, pünktlich zur Adventszeit, die Geschichte Herrnhuts. Eine Kleinstadt im sächsischen Dreiländereck, die den meisten Menschen durch die bunten gezackten Papiersterne bekannt ist. Autor René Römer bezeichnet sie euphorisch als „die schönsten Himmelskörper auf Erden“. In der Schauwerkstatt sieht man den fingerfertigen Frauen beim Drehen, Falzen und Kleben der Weihnachtssterne zu. Alles in Handarbeit! „Ein Herrnhuter Stern symbolisiert den Stern von Bethlehem, er steht für Hoffnung und Zuversicht“, sagt Oskar Scholz, Chef der Herrnhuter Manufaktur. Die Sterne werden in alle Welt exportiert, leuchten von Wladiwostok bis Surinam, der Verkaufsgewinn fließt in die Taschen der Brüder-Unität.

Ein zweiter Exportschlager sind die „Losungen“, Bibelsprüche für jeden Tag des Jahres. Sie werden seit 1731 im Wortsinne ausgelost und heute in 60 Sprachen gedruckt. Die „Losungen“ sind eine Idee des Grafen Zinzendorf, die ihm auf Schloss Berthelsdorf kam, seinem Herrensitz nahe Herrnhut. Das Schloss war nach der Wende in einem ruinösen Zustand und wurde in vieljähriger Arbeit von dem ortsansässigen Freundeskreis denkmalsgerecht wieder aufgebaut. Ein Lausitzer Wunder. Die halbstündige MDR-Reportage macht Lust auf einen Besuch Herrnhuts, die kleine Stadt von Welt mit ihrer reichen Geschichte.

„Im Herrnhuter Sternenglanz“, 20.45 Uhr, MDR

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.