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Freitag, 17.02.2017

Kapitänswechsel auf dem Theaterkahn

Holger Böhme wird in Zukunft die Geschicke des Elb-Theaters leiten. Er hat einiges vor.

Von Johanna Lemke

Ab August ist Holger Böhme Intendant auf dem Dresdner Theaterkahn.
Ab August ist Holger Böhme Intendant auf dem Dresdner Theaterkahn.

© privat

Es gibt in den Dresdner Privattheatern eine gewisse Kontinuität. Von Herkuleskeule bis Societaetstheater kann man sich sicher sein: Die Jahre gehen, der Chef bleibt. Auch beim Dresdner Brettl, das auf dem Theaterkahn an der Augustusbrücke spielt, gab es zwölf Jahre lang keine Veränderung in der Leitung. Nun hat der derzeitige Leiter Detlef Rothe beschlossen: „Es wäre schön, wieder ein Privatleben zu haben.“

Wie findet man jemanden, der Lust hat, ein kleines Theater zu leiten, das Jahr für Jahr mit ein paar Tausend Euro Zuschuss von der Stadt auskommen muss? Das zwar von bekannten Dresdner Theatermenschen gestützt wird, aber auch ein höchst anspruchsvolles Stammpublikum hat, welches Experimente eventuell nicht verzeiht? Rothe wurde fündig in den eigenen Reihen. Holger Böhme ist seit der Theatergründung mit dem Kahn verbunden, war früher Beleuchter, später Autor und Regisseur und wird ab August die Intendanz übernehmen. Er ist ein alter Kahn-Hase, der weiß, wie der Laden läuft. „Wir zeigen hier das, was man anderswo nicht kriegt“, beschreibt Holger Böhme das Rezept des Brettls in der Tradition des Urvaters Fiete Junge. Er meint Musikabende, Uraufführungen und Komödiantisches. „Wir werden das vielleicht noch etwas aggressiver fortführen“, sagt Böhme. Er hat lange für das Leipziger Kabarett Academixer gearbeitet und plant eine Kooperation „in der Tradition des Leipziger Schauspielkabaretts“.

Böhme will außerdem neue Darsteller und Autoren an das Theater binden – dabei hat er vor allem die jüngeren Zuschauer im Blick. Denn zwar wächst das Stammpublikum nach, so Rothe – aber eben auch die Konkurrenz. Im Umkreis von wenigen Kilometern gibt es vier private Theater, die ein ähnliches Publikum ansprechen.

Im Sommer beginnen die Arbeiten an der Augustusbrücke, die den Theaterkahn wahrscheinlich hinter einer riesigen Baustelle verschwinden lassen. Es wird Holger Böhmes erste Herausforderung sein, dass das Brettl dahinter nicht verschwindet.