Dienstag, 04.12.2012

Junge oder Mädchen?

Der Weihnachtsbaum ist die Wohnzimmerskulptur des kleinen Mannes. Im Dresdner Jägerhof sind in diesem Advent sehr besondere Exemplare zu bewundern.

Von Birgit Grimm

Dieser Baby-Baum wurde von Britta Polenzke geschmückt. Sie ist die Vorsitzende des Freundeskreises der Puppentheatersammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, und man darf vermuten, dass ihre Familie sich auf Nachwuchs freut.In der kleinen weihnachtlichen Sonderschau im Museum für Sächsische Volkskunst dreht sich diesmal alles um den Christbaum. Kreative Baumschmücker aller Altersgruppen sind in der Adventszeit im Dresdner Jägerhof herzlich willkommen.Foto: Robert Michael
Dieser Baby-Baum wurde von Britta Polenzke geschmückt. Sie ist die Vorsitzende des Freundeskreises der Puppentheatersammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, und man darf vermuten, dass ihre Familie sich auf Nachwuchs freut.In der kleinen weihnachtlichen Sonderschau im Museum für Sächsische Volkskunst dreht sich diesmal alles um den Christbaum. Kreative Baumschmücker aller Altersgruppen sind in der Adventszeit im Dresdner Jägerhof herzlich willkommen.Foto: Robert Michael

Dieses Bäumchen ist wie ein Wink mit dem Windeltopf. Da weiß man gleich, was die Stunde geschlagen hat: Ein orangeroter Plastik-Nachttopf dient als Baumständer. Schnuller statt Weihnachtskugeln und eine Baumwollwindel statt der von Omi bestickten Weihnachtsdecke lassen nur eine Frage offen: Junge oder Mädchen?

Aber Weihnachten ohne Baum ist auch keine Alternative. Deshalb schmücken Mitarbeiter und Freunde des Dresdner Museums für Sächsische Volkskunst jedes Jahr Ende November, Anfang Dezember Dutzende Weihnachtsbäume.

Was glänzt und rot ist, kommt an den Baum? So simpel ist das nicht! Volkskünstler haben immer wieder neue Ideen, und diesmal sind ihre künstlerischen Einfälle von ganz besonderer Art: Der Baum als solcher wird Gegenstand ihrer kreativen Schübe. Die Kollegen von der Puppentheatersammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben aus Puppenständern einen Baum zusammengeschraubt. Eine Mitarbeiterin des Volkskunstmuseums hat die Näh-Freunde in ihrem Blog überredet, Bäume zu nähen, die nun an einem spiralförmigen Gestell baumeln, am sogenannten Blogger-Baum. Und Plastikmüll ist zwar billig, aber nicht nur hässlich, befand eine Familie. Sie schmückte ihren Baum mit bunten Dosen, Bechern, Netzen und Tüten. „Der Weihnachtsbaum ist die Wohnzimmerskulptur des kleinen Mannes“, meint der Künstler Eberhard Bosslet.

So viel zur Gegenwart. Was die Vergangenheit betrifft, so ist Folgendes sicher: Der immergrüne Baum ist schon sehr lange ein Symbol für das Leben schlechthin. Behängt wurde er mit Äpfeln, der verbotenen Frucht vom Baum der Erkenntnis. Später dann kam Gebäck und anderes Naschwerk hinzu, das Neujahr geplündert werden durfte. Dabei soll es nicht immer christlich zugegangen sein. Von der Existenz dieser Naschbäume zeugen vor allem Gerichtsakten.

Bevor das Bäumchen in die gute Stube gestellt und mit Glasschmuck und Lametta verziert wurde, bastelten findige Leute Paradiesgärten mit Bäumen drin. Das Volkskunstmuseum hat ein feines Exemplar in seinem Bestand: Ein gewisser Otto Lange sen. hat sich damit im Museum verewigt. Er schnitzte 1875 einen Baum aus Blech. Dafür schnitt er die Nadeln „aus freier Hand“ mit der Blechschere. Für jede Nadel machte er zweimal Zwick. 162.793 Zwicken brauchte dieser Baum. Otto hat genau gezählt, und aufgeschrieben hat er es auch: „Bei zwei Grad Kälte im Zimmer“. Dabei wurden ihm offenbar die Finger steif. Lametta hat er nämlich keins geschnippelt.

Wie Weihnachtsbaum-Moden sich wandelten, zeigen Fotografien aus der Deutschen Fotothek. Aufgenommen wurden sie zwischen 1910 und 1980 am Heiligabend in deutschen Wohnstuben. Versammelt sind sie im Buch „Weihnachtsbilder“ aus dem Lehmstedt Verlag. Ein nettes Geschenk zum Fest, nicht nur wegen der Anregungen zum Schmücken des Baums.

Ausstellung „Unser Weihnachtsbaum“ im Museum für Sächsische Volkskunst im Dresdner Jägerhof, Köpckestr. 1. Geöffnet bis zum 27. Januar Di – So 10 – 18 Uhr, auch am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag. Heiligabend und Silvester 10 –14 Uhr; Neujahr 14 – 18 Uhr. Mit Bastelstube, Vorführung von Handwerkstechniken, Konzerten.

Drucken Empfehlen

  • Facebook
  • Twitter