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Montag, 09.03.2009

Jedermanns Liebling – das war einmal

Popsänger Sasha kommt mit neuem Album nach Dresden und erzählt im Gespräch, warum seine Zeit der Eitelkeit vorbei ist.

Von Das Gespräch führte Michael Loesl

Früher wurde der 1972 im westfälischen Soest geborene Sasha alias Sascha Schmitz als „singender Kai Pflaume“ bezeichnet. Er war immer nett und adrett gekleidet, mit ansprechenden Popsongs für jedermann und ein Traum für Plattenfirmenstrategen. Dann wurde er zum coolen Kanadier Dick Brave und räumte mit breitem amerikanischem Akzent und Rockabilly-Versionen von Popklassikern ab. Jetzt gibt es mit seinem neuen Album „Good News on a bad Day“ endlich gute Nachrichten für seine Fans und alle, die Sasha immer schon mochten, aber bislang nie eine Platte von ihm zu kaufen wagten.

„Gute Neuigkeiten an einem miesen Tag“ heißt Ihr neues Album. Sasha, sind Sie ein widersprüchlicher Mensch?

Ich wollte eine positive Platte machen, was gar nicht so einfach war, denn meine Stimmung geht immer rauf und runter. Ich würde zwar nicht sagen, dass ich lange besonders depressiv bin, aber auch bei mir herrscht nicht immer nur Sonnenschein. Zum Glück halten sich beide Extreme die Waage, und das neue Album handelt unter anderem von diesen Widersprüchen, mit denen ich zu tun habe.

Durften Sie die in Ihrem früheren Kanarienvogel-Pop nicht aufdecken?

Der Wunsch, mehr von mir selbst einfließen zu lassen, war immer vorhanden. Aber wenn man neu in der Popszene ist, lässt man sich aus Unsicherheit auch gern mal beraten und funktioniert in erster Linie. Heute bin ich wieder da, wo ich vor meiner Karriere als sogenannter Kanarienvogelpopstar war, nämlich an dem Punkt, an dem ich mit meiner Band einfach so vors Publikum treten und spielen kann, wie ich mich fühle. Ohne die erfolgreichen Platten von früher wäre das aber nicht möglich geworden.

Das klingt ziemlich uneitel. Darf ein Popsänger das sein?

In der Tat haben mir schon ein paar Leute gesagt, dass ich auf der neuen Platte uneitel singe. Keine Ahnung, warum der Gesang so rüberkommt. Vielleicht habe ich meine eitlen Zeiten hinter mir und kann heute als Künstler so sein ,wie ich bin.

Nämlich?

Ich erlaube mir, einfache und schöne Popsongs zu machen, die nicht zu billig sind und ewig nur „I love you, baby, I love you so much“ beinhalten. Das kann man natürlich singen, solange es in einer ansprechenden Verpackung steckt. Aber mich stimuliert Musik mehr, wenn Verpackung und Inhalt Hand in Hand gehen.

Ärgert es Sie eigentlich, dass Sie von vielen Leuten als netter Typ wahrgenommen werden, von dem man sich bislang trotzdem keine Platte gekauft hatte?

Ich bin mir dessen bewusst, kann aber trotzdem nur das machen, was Qualität besitzt und mir entspricht. Ich hoffe natürlich, dass genau diese Leute irgendwann sagen werden, dass sie sich mein neues Album gekauft haben und nicht nur den Typen Sasha cool finden, sondern auch seine Musik.

Was ist eigentlich aus Ihrem Alter ego Dick Brave geworden?

Der ist an seinem großen Erfolg zerbrochen und zuletzt wurde er in Alaska gesichtet, wo er tagsüber in einer Fischfabrik Lachse zerlegte und abends regelmäßig in irgendwelchen Bars abstürzte. Es ist ein bisschen schade um ihn, denn eigentlich war er ein klasse Typ, aber der Erfolg, den er im Ausland hatte, war dann doch zu viel für sein zartes Rockergemüt.

Es wird also keine Fortsetzung der Erfolgsgeschichte geben?

Ich habe keine Ahnung, und man sollte niemals nie sagen, aber so, wie er im Moment drauf ist, kann ich mir eine Rückkehr beim besten Willen nicht vorstellen. Außerdem hat sein Deutsch im Laufe der Jahre arg gelitten. Das müsste er sich erst wieder draufschaffen.

Wird es Sie nach Ihren Filmrollen in „Warum Männer nicht zuhören ...“ und „Ossi’s Eleven“ mal wieder im Kino geben?

Ich habe mich eigentlich schon vor meiner Sängerkarriere für die Schauspielerei interessiert, hatte aber als Kleinstadtjunge nicht den Mut, mich ernsthaft damit auseinanderzusetzen. Heute ist es einfach aus Zeitgründen schwierig, beide Karrieren parallel laufen zu lassen. Da gebe ich lieber keine Prognosen ab.

Schade, denn als jedermanns Liebling des deutschen Pop würde man Ihnen sicher auch die unterschiedlichsten Rollen als Schauspieler abnehmen.

Vielleicht ist das aber auch nicht schade, denn genau dieses Dasein als jedermanns Liebling, der mehr oder weniger charakterlos durch seine Karriere schreitet, hatte ich schon vor der Phase mit Dick Brave abgelegt. Man muss nicht jedermann gefallen wollen, sonst wird man völlig unglücklich, weil man nicht bei sich selbst ist. Das ist eigentlich in allen Lebensbereichen der Fall, und vom Mut, zu sich selbst zu stehen, erzählt auch meine neue Platte.

Das Album: Sasha – Good News on an bad Day (Warner)Das Konzert: 22. Mai im Kulturpalast (DD)