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Freitag, 17.02.2017

Jeder trickst auf seine Weise

Integration als Mix aus Klamotte und Romanze: Arte zeigt die Komödie „300 Worte Deutsch“.

Von Fabian Nitschmann

Dr. Ludwig Sarheimer (Christoph Maria Herbst) ist unerbittlich. Der Mann vom Ausländeramt will die Türkinnen abschieben, die Moschee-Vorsteher Cengiz Demirkan ins Land geholt hat.
Dr. Ludwig Sarheimer (Christoph Maria Herbst) ist unerbittlich. Der Mann vom Ausländeramt will die Türkinnen abschieben, die Moschee-Vorsteher Cengiz Demirkan ins Land geholt hat.

© obs

Auf der einen Seite ein strenger Ausländeramts-Chef, der am liebsten alle Neuankömmlinge sofort wieder abschieben würde. Auf der anderen Seite ein einfallsreicher Moschee-Vorsteher, der jungen Männern Bräute aus der türkischen Heimat vermittelt. In der Komödie „300 Worte Deutsch“ am Freitag auf Arte prallen die Klischees aufeinander.

Die Alten führen einen Kleinkrieg, während die Jungen vermitteln. Die Alten, das sind Dr. Ludwig Sarheimer vom Ausländeramt und Moschee-Vorsteher Cengiz Demirkan. Der Deutsche hat nur die Ausreise der Bräute im Kopf, der Türke dagegen nur alte Traditionen. Doch Demirkan hat ein Problem: Die eingereisten Frauen können kein Wort Deutsch. Denn im Film gilt: Nur wer 300 Worte Deutsch spricht und 650 versteht, darf einreisen. Die Sprachtests in der Türkei wurden gefälscht, nun fordert der Leiter des Ausländeramts eine Wiederholung. Miteingespannt in ihre jeweiligen Pläne wird der Nachwuchs: Demirkans Tochter Lale soll die bereits eingereisten Frauen fit machen für den Sprachtest, Sarheimers Neffe Marc dagegen Infos sammeln und die Abschiebung mitorganisieren. Doch Lale und Marc verlieben sich. „300 Worte Deutsch“ ist eine flotte Komödie, die Anfang 2016 in die Kinos kam und mit Klischees sowie den entsprechenden Witzen um sich wirft. Die Schauspieler agieren mit großer Leidenschaft, sind überzeugend in ihren Rollen und schaffen es regelmäßig, den Fokus auf ihre schauspielerische Leistung statt die Klischees und rassistischen Vorurteile zu lenken. Dennoch: Im Drehbuch steht der Clash der Kulturen im Mittelpunkt. Bei den Alten bedeutet das ständiger Streit, bei den Jungen dagegen Völkerverständigung. In Zeiten von Rechtspopulismus und islamistischem Terror ist das nicht immer nur erfrischend.

Der Film mit seiner etwas vorhersehbaren Handlung arbeitet sich erfolgreich an einer Erkenntnis ab: Integration gelingt nur durch Sprachkenntnisse. Die Regelung, dass Einreisende 300 Worte Deutsch können müssen, ist allerdings frei erfunden, selbst wenn es nach bürokratischer Wahrheit klingt. (dpa)

„300 Worte Deutsch“, 20.15 Uhr, Arte