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Dienstag, 23.02.2016

James Bond auf Arabisch

Trotz Horrorbildern wirkt der IS auf Jugendliche anziehend. Ein Jordanier will mit Superhelden die Radikalisierung bekämpfen.

Von Gioia Forster

Captain Zero bereitet sich auf seine Mission vor. Die Maske übergestreift, den Helm tief ins Gesicht gezogen, zückt er seine Waffe. Dann stürmt er mit seinen Agenten das Gebäude. Der Superheld springt auf den Seiten des Comicbuches umher, klettert Häuserwände hinauf und tritt Türen ein. „Wie ein arabischer James Bond“, sagt Suleiman Bakhit. Captain Zero ist seiner Fantasie entsprungen. Bakhit erschafft arabische Superhelden und will damit den Extremismus bekämpfen. Warum schließen sich junge Menschen Terrorgruppen wie dem IS an? Mit dieser Frage beschäftigt sich Bakhit seit Jahren. Der Unternehmer ist Jordanier und Sohn eines ehemaligen Premierministers. Sein Land ist wie viele in der Region besonders von der Anziehungskraft des IS betroffen. Bereits rund 2 000 Jordanier sollen sich dem IS und anderen Terrorgruppen in Syrien und dem Irak angeschlossen haben.

Ein Grund dafür: Perspektivlosigkeit. In vielen arabischen Ländern gebe es für junge Menschen wenig Bildungschancen , sagt Anja Wehler-Schöck, Leiterin der Friedrich-Ebert-Stiftung in Jordanien. Zudem erlebten die Menschen oft Regimes, die eng mit dem Westen verbündet seien. Das bringe vor allem islamisch-konservative Teile der Gesellschaft in einen Zwiespalt. „Der IS gibt den Verlierern der Gesellschaft eine Möglichkeit, Helden zu sein.“

Bakhit wollte das Thema Heldentum erforschen. Deshalb besuchte er Schulklassen in Jordanien und fragte, was für Helden die Kinder hätten. Anstatt Batman und Superman nannten sie Ex-Al-Qaida-Führer Osama bin Laden oder Abu Mussab al-Sarkawi, den jordanischen Gründer des IS-Vorläufers. Arabische Comic-Helden kannten sie nicht.

Die Extremisten verstünden es, sich als Helden zu inszenieren, als Verteidiger des Islams und Kämpfer gegen den Westen. Sie missbrauchten die Sorgen, Wut und sozialen Missstände, die Jugendliche erfahren, erklärt Bakhit. Und sie machen Jugendlichen weis: Du kannst auch ein Held werden. „Ich will aber zeigen, dass Menschen wie bin Laden und al-Sarkawi keine Helden sind.“ Doch es reiche nicht, einfach gegen diese Terroristen zu sein, meint der Jordanier. Man müsse jungen Menschen eine Alternative bieten. Im Jahr 2009 kreierte Bakhit zusammen mit Zeichnern erste arabische Comic-Superhelden. Etwa den Agenten Captain Zero, der Terroristen in Jordanien das Handwerk legt. Oder Princess Heart, die Heldin einer modernen Version von Tausendundeiner Nacht. Er habe 1,2 Millionen Ausgaben bis 2011 verkauft, sagt Bakhit. Den Superhelden Captain Zero entwickelte er zu einem beliebten Online-Spiel auf Facebook.

Doch Bakhit musste auch Kritik und Rückschläge einstecken. Seine Firma ging inzwischen pleite, sein Comic „Saladin 2050“ wurde in Jordanien verboten. Und unbekannte Männer hätten ihn eines Abends mit Rasierklingen angegriffen, erzählt er. Mit einer großen Narbe über seinem linken Auge sieht er nun fast selbst wie ein Superheld aus. Und er glaubt an seine Vision, mit arabischen Comic-Helden Kinder und Jugendliche zum Umdenken zu bewegen. Mit seiner neuen Firma „The Hero Factor“ will er Comics als Lehrbücher in jordanischen Schulen einführen. (dpa)

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