Mittwoch, 02.01.2013

In Walhalla wird es eng

Seit 170 Jahren birgt die bayerische Ruhmeshalle Büsten deutscher Persönlichkeiten. Nun ist fast kein Platz mehr frei.

Von André Jahnke

Was brauchen die Deutschen eine Akropolis? Sie haben ja die Walhalla im bayerischen Donaustauf. Foto: dpa
Was brauchen die Deutschen eine Akropolis? Sie haben ja die Walhalla im bayerischen Donaustauf. Foto: dpa

Eindrucksvoll thront die Walhalla über dem Donautal. Der Säulentempel in Donaustauf bei Regensburg – im griechischen Stil erbaut – zählt zu den bekannten Sehenswürdigkeiten Deutschlands. Der Bauherr, der bayerische König Ludwig I., wollte damit eine Ruhmeshalle für „bedeutende Persönlichkeiten teutscher Zunge“ errichten. Seitdem erinnern 130 Büsten und 65 Gedenktafeln an Geistesgrößen der Vergangenheit. 170 Jahre nach der Fertigstellung des Bauwerks wird es nun jedoch eng im Inneren der Walhalla. Es sind nur noch wenige Büstenplätze frei.

„Einen Anbau wird es nicht geben“, sagt Hans Weber vom Staatlichen Bauamt Regensburg. Schließlich sei die Walhalla ein außergewöhnliches, denkmalgeschütztes Gebäude. „Noch sind aber auch drei, vier Plätze frei. Und die Büsten können auf dem Sims noch etwas zusammengeschoben werden, um Platz zu schaffen.“

Zuletzt entschied der bayerische Ministerrat 2006 über die Ehrung von drei Persönlichkeiten: Carl Friedrich Gauß, Edith Stein und Heinrich Heine. „Normalerweise kommt ein solches Verfahren alle fünf bis sieben Jahre in Gang.“

Ein neues Verfahren ist zwar noch nicht eingeleitet worden, eine Vorschlagliste mit mehr als 100 Persönlichkeiten gibt es nach Angaben des Wissenschaftsministeriums aber bereits. Bekannte Namen stehen drauf, etwa der Theologe Dietrich Bonhoeffer, der Schriftsteller Franz Kafka, die preußische Königin Luise, die Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Friedrich Nietzsche und die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner. Hatte zu Lebzeiten des Königs nur Ludwig I. das Recht, eine Person zu bestimmen, so darf längst jeder einen Vorschlag machen. Die Kosten für die Büste muss der Antragsteller selbst tragen. Bei der Auswahl der Geehrten ist die Bayerische Akademie der Wissenschaften involviert. Nach Vorgaben König Ludwigs I. muss der Kandidat der germanisch-deutschen Sprachfamilie angehören und Herausragendes geleistet haben.

Neu ist, dass die bisherige Dominanz der Männer in der Ruhmeshalle ausgeglichen werden soll. Derzeit sind unter den insgesamt 195 Büsten und Gedenktafeln lediglich zwölf für Frauen.

Nicht jeder übrigens wollte in die Walhalla: Heinrich Heine etwa, dessen Büste 2010 aufgestellt wurde, hatte zu Lebzeiten für die Ruhmeshalle nur Spott und Häme übrig. Niemals wollte der Dichter in die „marmorne Schädelstätte“. Geholfen hat es nichts. (dpa)

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