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Donnerstag, 14.01.2016

In Island geht das Licht aus

Die Arte-Miniserie „Lava“ ist in Skandinavien bereits ein TV-Hit. Der Thriller mixt grandiose Landschaft mit fiesen Spielchen.

Von Ulrike Cordes

Finale im Ferienhaus: Kommissar Helgi Runarsson (Björn Hlynur Haraldsson, kniend) leitet die Aufklärung des Mordes am hoch verschuldeten Banker Björn Sveinsson.
Finale im Ferienhaus: Kommissar Helgi Runarsson (Björn Hlynur Haraldsson, kniend) leitet die Aufklärung des Mordes am hoch verschuldeten Banker Björn Sveinsson.

© Arte/Víðir Sigurðsson

Riesige Lava- und Geröllwüsten, Gletscher, eiskalter Wind, diesige Luft, viel Wasser und jede Menge Einsamkeit: Eigentümlichkeiten Islands, die förmlich nach dem Schreiben von Kriminalromanen schreien. Tatsächlich hat sich im dünn besiedelten Vulkaninselstaat längst eine international erfolgreiche Szene entwickelt, zu der Autoren wie Árni Thórurinsson und Arnaldur Indridason gehören. Unter dem Einfluss sozialkritischer skandinavischer Kollegen wie des Duos Sjöwall/Wahlöö benutzen sie die unwirtliche Natur zur Darstellung sozialer und individueller Probleme. Eindrucksvoll geschieht das auch in der Arte-Miniserie „Lava“, die in Skandinavien bereits zum TV-Hit geriet. Nach dem Drehbuch des preisgekrönten Schriftstellers Sveinbjörn I. Baldvinsson hat der Kurzfilmer Reynir Lyngdal die vier Folgen um einen von düsteren Erinnerungen geplagten Ermittler und seine attraktive unerfahrene Kollegin geschaffen. Mord und Totschlag, internationaler Drogenhandel, Bankenkorruption und Kindesentführung – an nichts wird hier gespart. Und alles samt behäbiger Erzählweise, fremdartig-melancholischer Landschaft sowie mühseligen und beladenen Menschen aufgeladen zum Fest für Island-Thrillerfans. Handlungsort ist die mythenumwobene Halbinsel Snaefellnes. Hierhin verschlägt es Kommissar Helgi Runarsson aus der Hauptstadt Reykjavik, als ein hoch verschuldeter Banker in seiner Ferienvilla brutal ermordet aufgefunden wird. Einzelgänger Helgi, der um seinen toten kleinen Sohn trauert und von Frau und Tochter getrennt lebt, ist davon so wenig erbaut wie von den Ideen der Kaugummi kauenden Kollegin Gréta, die gerade als Fußballspielerin der Nationalmannschaft pausiert. Während der Ermittler in Funktionskleidung und mit versorgtem Blick durch die Ödnis stapft, stößt er nicht nur auf den arg zugerichteten Kadaver eines Hundes.

Um es nordisch kurz zu machen: Voller Atmosphäre und sensibel gestalteter Charaktere spiegelt „Lava“ eine düster-brüchige Welt, eine Welt, von der man sich hier gern fesseln lässt. (dpa)

„Lava“, 20.15 Uhr, Arte

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