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Freitag, 25.08.2017

Immer wieder Israel

Da die Juden bekanntlich an allem schuld sind, ist auch klar, wer in Nahost der Bösewicht ist.

Von Michael Bittner

Michael Bittner.
Michael Bittner.

© Ronald Bonß

Wer hätte gedacht, dass nach den Schrecken des 20. Jahrhunderts die Parole „Kauft nicht bei Juden!“ im 21. Jahrhundert eine fröhliche Wiederkehr feiern könnte? Und dann sind es auch noch Menschen, die sich für antiimperialistische Vorkämpfer der Gerechtigkeit halten, die mit der Initiative „BDS“ eine neue Internationale der Israelhasser begründet haben. Sie fordern lautstark, israelische Waren zu boykottieren und beschimpfen jeden, der es wagt, Israel zu besuchen oder mit israelischen Künstlern und Wissenschaftlern zusammenzuarbeiten. Antisemitisch ist das Bündnis „BDS“ dabei natürlich nicht – schließlich sagen alle Aktivisten brav „Zionist“ statt „Jude“, solange die Türen nicht verschlossen sind.

Vorgeworfen wird nicht nur der israelischen Regierung, sondern der ganzen jüdischen Nation der Konflikt mit den Palästinensern. An dem tragen angeblich die Juden allein die Schuld – eine These, die sich aus der alten Prämisse, dass die Juden sowieso an allem schuld sind, ganz zwanglos ergibt. Man dürfe Israel im Westen ja nicht kritisieren, so lautet die wichtigste Legende der Boykotteure. Wahr ist das Gegenteil: Selbst die mörderischsten Diktaturen der Welt werden im Westen nicht so streng gegeißelt wie die einzige Demokratie des Nahen Ostens.

In Israel leben Millionen Araber, die alle Bürgerrechte genießen, während in den palästinensischen Gebieten kein Jude seines Lebens sicher ist – aber der „Apartheid-Staat“ ist natürlich Israel. Wenn israelische Terroristen Araber ermorden, werden sie vor Gericht gestellt, wenn Terroristen der Hamas Juden töten, werden sie belobigt und belohnt – aber der „Aggressor“ ist natürlich Israel. Wenn Israel seine Grenzen sichert, dann ist dies eine „Provokation“ – wenn die Palästinenser Raketen und Mörder über diese Grenzen schicken, ist dies legitimer „Freiheitskampf“.

Ohne Zweifel gibt es in Israel Kräfte, die dem Frieden im Wege stehen, nationalistische Politiker und fanatisierte Siedler. Aber das größte Hindernis eines Friedens bleibt die Weigerung fast der ganzen islamischen Welt, den Staat Israel anzuerkennen. Vielleicht sind die neuesten Anschläge islamistischer Terroristen in Europa immerhin dazu nütze, im Westen wieder ein wenig Solidarität mit dem Staat der Juden zu wecken.