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Samstag, 12.03.2016

Im hellgrünen Gewölbe

Das Museum für Sächsische Volkskunst läutet mit Seychellennuss und Straußenei die Osterzeit ein.

Von Enya Wolf

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Eine junge Frau versunken in den Anblick von barocken Schatzpokalen. Die wurden nicht aus dem Grünen Gewölbe geborgt, sondern von Olaf Frenzel nachempfunden. Blickfang vorn: das Maiglöckchen-Ei.
Eine junge Frau versunken in den Anblick von barocken Schatzpokalen. Die wurden nicht aus dem Grünen Gewölbe geborgt, sondern von Olaf Frenzel nachempfunden. Blickfang vorn: das Maiglöckchen-Ei.

© dpa

Es ist ein Straußenei, das seinesgleichen sucht: mit Blüten geschmückt, mit Perlen bestickt, in vergoldeter Fassung. Das Original entstand vor 118 Jahren im Auftrag des russischen Zaren. Vor 17 Jahren baute Olaf Frenzel das „Maiglöckchen-Ei“ für seine Ehefrau nach. Ein Liebesbeweis mit 22 Zentimetern Höhe, den man in den nächsten Wochen im Museum für Sächsische Volkskunst bestaunen kann. Es ist wieder Ostern im Dresdner Jägerhof. In diesem Jahr wird dort „Olaf Frenzels hellgrünes Gewölbe“ vorgestellt.

Der Ingenieurökonom hat ein ausgefallenes Hobby: Er bildet die prunkvollen Eier des Goldschmieds Peter Carl Fabergé nach, der einst den Zarenhof in St. Petersburg belieferte. Schon früh entdeckte Olaf Frenzel seine Leidenschaft für das feine Handwerk, das sich hinter den Kunstschätzen Europas verbirgt. Auf einer Klassenfahrt im Jahr 1974 verlor er sein Herz an das Grüne Gewölbe, das damals noch im Albertinum ausgestellt wurde. Der junge Mann hatte eine kühne Idee: Er wollte die Bergkristallschalen, Muschelkredenzen und Nautiluspokale nachbilden. Doch erst nach der Wende bekam Olaf Frenzel Zugriff auf so exotische Materialien wie Seychellennuss und Straußenei. Frenzel experimentierte mit den verschiedensten Naturalien und schuf in seiner Werkstatt nahe Erfurt zahlreiche Kostbarkeiten.

Zwanzig seiner Werke sind nun im Jägerhof zu bewundern. Begrüßt werden die Besucher im Eingangsbereich von bunten Keramikeiern, die fröhlich von Zweigen baumeln. Wochenlang haben Kinder von der 33. Grundschule Dresden an ihnen gebastelt.

Insgesamt gibt es diesmal 500 Eier in allen Farben und Variationen zu entdecken. Die Palette reicht von edlen Materialien wie Pfauenfedern und Porzellan bis hin zu Stroh und Linoleum. Patchwork, Häkelkunst, Gravuren – die Techniken für Osterschmuck sind vielfältig und werden bis Ostermontag wieder von Volkskünstlern im Jägerhof praktiziert. Die Exponate kommen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Auch die rumänisch-ungarische Grenzregion Bukowina ist mit ihren traditionellen Eiern vertreten.

Ostern im Jägerhof bis 3. April im Museum für Sächsische Volkskunst, Dresden, Köpckestr. 1.
Geöffnet Di – So 10 – 18 Uhr und am Ostermontag 10 – 18 Uhr.
Eröffnung Samstag, 11 Uhr, mit einem Puppenspiel; 15 Uhr Frühlingskonzert.
Am Sonntag, 15 Uhr, lädtn Detlef Hutschenreuter zur „Megille“, einem Klezmer-Singspiel mit iranischen und deutschen Kindern, ein.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Icke

    Jaja, die Straußeneier. Besuchten doch zwei alte Damen ein Museum in München, sahen dort zwei große Eier. Staunend fragten sie die Museumsführerin, was diese denn seien. Ihre Antwort: "Zwei Eier vom Strauß." Darauf die eine ältere Dame zur anderen älteren Dame ganz verschämt: "Ei, ei, sieh`da, der Walzerkönig." Ja, durch Museumsbesuche wird man oft sehr viel klüger. Icke.

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