erweiterte Suche
Samstag, 02.01.2016

Helene Fischer muss sterben

Wenn 2016 so gewalttätig wird wie der „Tatort“ mit Til Schweiger, muss man sich auf einiges gefasst machen.

Von Rainer Kasselt

6

Hat das Schießen vor dem Dreh geübt und hat selbst Polizisten mit ihren Treffkünsten fasziniert: Helene Fischer spielt die Killerin Leyla. Foto: ARD
Hat das Schießen vor dem Dreh geübt und hat selbst Polizisten mit ihren Treffkünsten fasziniert: Helene Fischer spielt die Killerin Leyla. Foto: ARD

© ndr/gordon timpen

Til Schweiger macht, was er kann. Ballern, boxen, brüllen. Und zuletzt heult er, was die Tränensäcke hergeben. Als LKA-Mann Nick Tschiller hat er alles verbockt. Die Ex-Frau tot, die Tochter traumatisiert, der Erzfeind auferstanden. Alles in Nick schreit nach Rache. Vergeblich warnt der treue Kumpel: „Wir sind hier nicht in Texas! Wir sind die Guten!“ Von wegen. „Ich nicht mehr“, sagt Nick und haut dem Kollegen eins auf den Schädel.

Simpel gestrickt, aber mit viel Action und Atmosphäre aufgeladen ist der dritte Hamburger „Tatort“ mit Til Schweiger. Ein Krimi im Westernstil. Logik ist nicht vorgesehen. „Weil man weiß, dass dem Helden nichts passieren kann, muss man auch keine Angst um ihn haben“, erklärt der Hauptdarsteller. Wie oft er auch unter Wasser getaucht, gefoltert und geschlagen wird – Nick steht auf, schüttelt sich und knallt vier Gangster nacheinander ab.

Schweiger jagt atemlos durch die Nacht. Er will Frau und Tochter retten, die vom eisgrauen Clan-Boss und seiner willigen Meute als Geiseln gefangen gehalten werden. Helene Fischer hat dabei ihre Hand im Spiel. Die Schlagerkönigin ist Stargast in der Folge „Der große Schmerz“. Mit dunkler Perücke und schwarzem Outfit spielt sie die eiskalte russische Killerin Leyla. Sie macht das nicht schlecht. Kein Lächeln, kein Liedchen, kein Frohsinn. Nicht wiederzuerkennen die Sängerin. Fast schade, dass sie am Ende sterben muss. Aber auf einen Toten mehr oder weniger kommt es in diesem Thriller ohnehin nicht an.

Regisseur Christian Alvart setzt die Orgie von Gewalt, Verrat, Hass und Liebe routiniert in Szene, verzichtet weder auf Rotlicht noch Notlicht. Die Kamera liebt das Dunkel, ob dem Zuschauer dabei ein Licht aufgeht? Die Regie lässt Schweiger & Co. nuscheln, was die verkniffenen Lippen rauslassen. Wohl nicht wichtig, was gestottert wird, Hauptsache, es kracht und knallt ordentlich. Das wird sich im abschließenden Teil der Doppelfolge mit dem bezeichnenden Titel „Fegefeuer“ nicht ändern. Regisseur Alvart: „Nick Tschiller wird sich im Zweikampf mit dem Clan-Boss außerhalb jeglichen polizeilichen Rahmens bewegen.“ Wenn 2016 so kriegerisch wird, wie es die ARD mit den Schweiger-„Tatorten“ beginnt, muss man sich auf einiges gefasst machen. Ein Leben ist da nicht viel wert.

„Tatort: Fegefeuer“, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Leser-Kommentare

Seite 1 von 2

Insgesamt 6 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. mausi

    wer ist till schweiger?

  2. Striesen

    "Atemlos durch die Nacht" wäre doch die perfekte Tatortmelodie gewesen, da hat Herr Schweiger nicht mitgedacht. Nachdem man jetzt in Texas seine Waffen offen tragen darf dürfen wir uns 2016 auch wieder über viele Action Filme aus Amerika freuen, mit echten Laienschauspielern und echten Toten. Happy 2016!

  3. scharfesschwert

    Der Tatort ist harte Kost.Und das alles ohne Jugendschutzhinweis.Aber die Finger sind ja noch dran.Es gibt ja auch Filme,da sind`se ab.Kommt dann meistens in der Nacht. Mir tun die vielen Rentner leid,die müssen in der Apotheke Herzmedikamente nachordern.

  4. Roba

    @1: Jemand, der nicht "traurig" ist, nicht alle "gemeinen" Volksmitglieder nicht zu kennen.

  5. Kribü

    Schon bei den Ankündigungen des Films stand für mich fest, dass ich diesen Tatort, wie bereits einige in der jüngsten Vergangenheit, mir nicht anschauen werde. Dazu bedurfte es für mich nicht nur Til Schweiger als Hauptdarsteller. Der Inhalt des Films mit seinen brutalen Handlungen beschönigt unverständlich die Grausamkeiten in der Welt. Statt mit ansprechender, familienfreundlicher Unterhaltung das neue Jahr zu beginnen, wird den Fernsehzuschauern dies angeboten. Das Schlimme für mich ist, dass auch noch so zahlreich eingeschalten wird. Vielleicht auch nur wegen mangelnden Alternativen oder fehlenden eigenen Ideen. Dafür werden auch noch meine Gebühren für das öffentlich-rechtliche Fernsehen ausgegeben – dagegen kann ich nichts ändern, aber auf diese Art der sogenannten spannenden Unterhaltung zu verzichten und den Fernseher ausgeschalten zu lassen bleibt mir ja immer noch. Das ist für mich nicht die Zukunft der ARD-Tatortreihe.

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 2

Ihr Kommentar zum Artikel

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Verbleibende Zeichen: 1000
Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein