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Dienstag, 12.09.2017

Hart war es schon immer

Die Dresdner Büchermesse am neuen Ort diskutiert auch über die Verkäuflichkeit von Autoren.

Von Karin Großmann

Mit dem traurigen Troll und ihrem ersten Buch kam die Görlitzerin Natascha Sturm zur Messe.
Mit dem traurigen Troll und ihrem ersten Buch kam die Görlitzerin Natascha Sturm zur Messe.

© Verlag

Christina König sagt, dass sie sich an diesem Ort wie eine Königin fühlt und daher gut aufgehoben. Zwischen Seidentapeten und Kristalllichtgefunkel sitzt sie bei ihren Büchern. Die Autorin aus Meißen schreibt für Erstleser über Ponys, Prinzessinnen und andere Sensationen. Das Dresdner Schloss Albrechtsberg liefert an diesem Sonntag einen noblen Rahmen.

Es war eine vernünftige Entscheidung, mit der Büchermesse den Platz zu wechseln. Fünf Jahre lang hatte die Messe „Schriftgut“ vergeblich versucht, zwischen Bastelstrecke und Literaturanspruch ein Profil zu finden. Veranstalter und Mitspieler investierten Ideen und Kraft, um die Messehallen an drei Tagen zu füllen, doch es passte nichts zusammen. Mancher Verleger, mancher Veranstalter konnte und wollte sich den Aufwand dort nicht leisten.

Beim Neustart im Schloss steht Tisch an Tisch, es ist alles enger, aber vor allem stilvoller. Würde es das Schwarmwort Ambiente nicht geben, hätten es die Verlagsleute an diesem Sonntag erfunden. Wo der Preußenprinz Albrecht in der Verbannung wohnte – seine Gattin passte der Verwandtschaft nicht – und in der DDR Jungpioniere tobten, werden Gedichte, Romane, Kinderbücher und Heimaterkundungen vorgestellt. Manche Autoren probieren die ersten Schritte in der Öffentlichkeit, wie etwa die Görlitzerin Natascha Sturm. Sie hat für ihr erstes Buch einen Verlag gegründet und versucht, das Interesse der Besucher für Elfe und Troll zu wecken. Der Schauspieler Ahmad Mesgarha hat dieses Interesse bei seiner Doppellesung sicher.

An diesem Ort ist nichts zu spüren von der Krise der Literatur und des Buchmarkts, die immer mal prophezeit wird. Hartmut Mangold, Staatssekretär im sächsischen Wirtschaftsministerium, hat den passenden Vergleich dafür. 1895 habe eine Studie vorausgesagt, dass ganz London zehn Jahre später im Pferdemist versinken würde. Bekanntlich kam es anders, dank Benz. „Ich bin sicher, im Literaturland Sachsen werden weiterhin schöne, gut gemachte Bücher von intelligenten, bissel gegen den Strich gebürsteten Autoren und Verlagen erscheinen“, so Mangold. Er stellt Fördermittel aus dem Wirtschaftsministerium auch für diese Branche in Aussicht und gibt in einer Diskussionsrunde zugleich seine Bewerbung für das Kulturressort ab: Es würde ihm dort gefallen.

Diese Runde sieht die Digitalisierung ebenso gelassen wie die Marktmacht von Amazon. „Hart war es schon immer“, sagt Stefanie Maucher aus Leipzig, die sich als Selfpublisherin durchschlägt. Sie erzählt, wie sie vom Schreiben bis zum Vertrieb im Internet alles allein managt. „Ich muss die Leute in den sozialen Netzwerken zuerst für mich interessieren. Nur dann interessieren sie sich auch für meine Texte.“ Solche Selbstdarstellung mag nicht jeder. Die meisten Schriftsteller sind froh, dass sie das Geschäft jenseits des Schreibens den Profis überlassen können – und geben diesen viel vom Gewinn ab.

Von finanziellem Gewinn spricht keiner an diesem Sonntag. Kaum ein Verleger dürfte die Standmiete durch Buchverkauf wieder reingeholt haben. Doch der moralische Gewinn ist unbestritten. Es gibt viel zu reden miteinander und mit dem Publikum. Manchen Besucher hat der Tag des offenen Denkmals ins Schloss gelockt. Ob die zeitliche Kopplung wirklich günstig ist, wird sich zeigen. Katharina Salomo, Chefin des Dresdner Buchverlags und Hauptorganisatorin der Messe „Dresden (er)lesen“, ist jedenfalls mit der Resonanz sehr zufrieden. Bemerkenswert, dass sie nach der „Schriftgut“ einen neuen Anfang wagt.

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