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Donnerstag, 27.04.2017

„Handjob“ finanziert per Crowdfunding

In der bitterbösen Komödie „Handjob“ geht es um einen abgetrennten Körperteil. Aber auch um Vorurteile und vor allem um schrägen Humor. Auf die Beine gestellt wird das Projekt von einem Team aus dem Vogtland, finanziert wird es über das Internet.

Die Schauspieler Benjamin Kramme, Tom Werner, David Bredin, Kai Schumann und Cornelia Werner (von links nach rechts). In der bitterbösen Komödie «Handjob» geht es um eine abgetrennte Hand.
Die Schauspieler Benjamin Kramme, Tom Werner, David Bredin, Kai Schumann und Cornelia Werner (von links nach rechts). In der bitterbösen Komödie «Handjob» geht es um eine abgetrennte Hand.

© dpa

Plauen/Berlin. Alles dreht sich um eine Hand, genauer um eine, die im wahrsten Sinne abhandengekommen ist. Mit der Theaterkomödie „Handjob“ nach dem Stück „Eine Enthandung in Spokane“ von Oscar-Preisträger Martin McDonagh („Brügge sehen und sterben“) versprechen die Macher dem Publikum in Berlin und im vogtländischen Plauen tiefschwarzen Humor. Zum siebenköpfigen Team gehört auch Schauspieler Kai Schumann, der vielen Fernsehzuschauern als Kriminalkommissar Nikolas Heldt ein Begriff ist und bei Plauen aufwuchs.

„Wir wollten ein Stück frei von Strukturen und Hierarchien auf die Bühne bringen“, sagte Schumann der Deutschen Presse-Agentur. Um unabhängig von einem Theater zu sein, hätten sich die Freunde an die Internetgemeinde gewandt, um ihre Idee zu finanzieren. Per Crowdfunding konnten die Theatermacher bis Ende März knapp 11 600 Euro über die Plattform Startnext einsammeln, auf der aktuell sieben solche Projekte in der Finanzierungsphase stecken. Mehr als 300 erfolgreiche Theaterideen weist die Seite derzeit aus.

Damit kann die Roadmovie-Komödie am Freitagabend im Berliner Acker Stadt Palast Premiere feiern, voraussichtlich im Frühsommer soll sie dann auch in Plauen auf die Bühne kommen.

In dem Stück geht es um einen Mann, der verzweifelt nach seiner abgeschlagenen Hand sucht. „500 Euro bietet er einem Gaunerpärchen, das ihm eine aus dem Naturkundemuseum geklaute Hand unterjubeln will - das geht natürlich völlig nach hinten los“, erläuterte Regisseurin Nadja Stübiger die Handlung in Kurzform.

In einem Hotelzimmer komme es zum irrwitzigen Showdown in Quentin-Tarantino-Manier, gespickt mit kruden Dialogen zwischen dem Mann ohne Hand - gespielt von David Bredin -, Kai Schumann als Toby und Cornelia Werner als Marylin. Flankiert werde die skurrile Story durch einen psychotischen Rezeptionisten (Benjamin Kramme).

Für Stübiger, derzeit am Staatsschauspiel Dresden engagiert, ist es die zweite Regiearbeit. Mit „Der Einsame Westen“ feierte sie 2014 ihr Regiedebüt in Kooperation mit einer freien Theatergruppe aus Rüsselsheim. Auch dieser Stoff basierte auf Martin McDonagh, dessen Sprachwitz und bitterböser Humor es ihr angetan haben.

In Zusammenarbeit mit Kai Schumann habe sie schon lange ein Stück auf die Bühne bringen wollen, schließlich kenne man sich noch aus der Zeit am Plauener Theater, sagte die Regisseurin. Inzwischen leben alle Beteiligten in Berlin, wo die Komödie mindestens dreimal zu sehen sein wird. Weitere Termine seien geplant.

Ohne persönliche Beziehungen sei freie Theaterarbeit undenkbar. „Man muss Kontakte haben und sich ganz schön drehen, um so ein Projekt auf die Beine zu stellen“, meinte Stübiger. So kenne sie den Bühnenbildner noch aus ihrer Zeit am Staatstheater Stuttgart. Nun hätten allerdings alle beim Bühnenbild angepackt - freies Theater in Handarbeit sozusagen. (dpa/szo)