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Freitag, 28.12.2012

Grenzgänger und Kritiker

Der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Joachim Seyppel starb im Alter von 93 Jahren.

Wismar. Im Alter von 93 Jahren ist am Dienstag der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Joachim Seyppel gestorben. Dem 1919 in Berlin geborenen Literaten haftete das Image eines gegen den Strom schwimmenden Grenzgängers und Gesellschaftskritikers an. Weder in den USA, wo er von 1949 bis 1961 lebte, noch in West- oder später in Ostdeutschland wollte er sich mit den Verhältnissen abfinden. Seinen literarischen Arbeiten blieb aber die große öffentliche Resonanz weitgehend verwehrt.

Satiren über den Wiederaufstieg ehemaliger Nationalsozialisten fanden im Westen keinen Verleger, jedoch brachte sie der Ost-Berliner Aufbau-Verlag 1965 unter dem Titel „Als der Führer den Krieg gewann oder wir sagen Ja zur Bundesrepublik“ heraus.

1973 siedelte Seyppel nach Ost-Berlin über und nahm die DDR-Staatsbürgerschaft an. 1979 nahm er in Hamburg eine Gastprofessur an. Beachtung fand Seyppels Abrechnung mit dem DDR-Kulturbetrieb unter dem Titel „Ich bin ein kaputter Typ“ (1982).

Nach der Wiedervereinigung erschienen noch drei Romane, darunter die brandenburgischen Impressionen „Die Streusandbüchse“ (1990). 1997 trat Seyppel unter harscher Kritik aus dem Verband deutscher Schriftsteller aus. (dpa)

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