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Dienstag, 26.01.2016

Geheimnisse im Ski-Labor Schneckenstein

Mit Skiern aus dem Vogtland fühlte sich Jens Weißflog in einer anderen Liga. Der MDR folgt diesen Spuren.

Von Jörg Marschner

Der Skihersteller Karl Gablenz entwickelte 1962 den ersten Plastikbelag für Skier. Mit den Nachfolgemodellen flogen DDR-Athleten wie Jens Weißflog von Erfolg zu Erfolg.
Der Skihersteller Karl Gablenz entwickelte 1962 den ersten Plastikbelag für Skier. Mit den Nachfolgemodellen flogen DDR-Athleten wie Jens Weißflog von Erfolg zu Erfolg.

© MDR

Oberlehrer Beck baute 1886 im Vogtland als Erster Skier. Er blieb nicht lange allein. Immer mehr Leute wollten Skifahren wie die Norweger, die diese Fortbewegung erfunden hatten. Der Bedarf wuchs rasant, und so gründeten sich im Vogtland zahlreiche kleine Firmen, was Jahrzehnte später zu aufsehenerregenden Erfolgen führte.

Als sich Jens Weißflog 1989 in Lahti auf der Normalschanze den Weltmeistertitel holte, sagte er über seine Skier, er sei mit ihnen „von heute auf morgen in einer anderen Liga“ gesprungen, „als ob einer unter mir steht und mich hält“. Schon Hans-Georg Aschenbach hatte seine Olympia- und WM-Medaillen auch dank vogtländischer Skibauer-Tradition errungen. Die Bretter beider Spitzenathleten waren in der Skiwerkstatt des DDR-Sportgerätekombinates Germina in Schneckenstein entwickelt und gebaut worden. Topsecret ging es zu im Labor, wo Sprungski immer leistungsfähiger und sicherer gemacht wurden. Die Kunststoffsohle, die Hohlprofile und der Einsatz von Kohlefasern für den leichtesten Ski der Welt entstanden hier.

Wie meist in der der Serie „Der Osten. Entdecke, wo du lebst“ stellt auch der Film am Dienstag Menschen mit interessanten Geschichten vor. Zu ihnen gehört Volkmar Rass. Er rettete in Schönheide die Produktion von Skischuhen über alle Wirren der Zeit. Der kleine Familienbetrieb mit 17 Mitarbeitern gilt als ein Weltmarktführer. Jeder Schuh ist eine Spezialanfertigung. Ohne sie könne er nicht mehr springen, sagt Richard Freitag. Die Germina-Erfolgswerkstatt dagegen hatte wie das gesamte Kombinat nach 1990 keine Chance, wird im Film gesagt, ohne dem weiter nachzugehen. Nur zwei Spezialisten führen im Vogtland die 130 Jahre alte Tradition fort mit der jährlichen Fertigung von rund 300 Paar Abfahrtski erlesener Qualität.

Viele Jungs in der Region kümmert das nicht. Sie folgen ihren Vorbildern und springen schon als Sechsjährige 20 Meter weit.

„Skier, Stolz und Spitzensport“, MDR, 20.15 Uhr

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