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Freitag, 19.05.2017 TV-Tipp

Gefühllos durch die Nacht

Rosalie Thomass sucht in der coolen Komödie „Taxi“ Sex, Liebe und Orientierung.

Von Rainer Kasselt

Alex (Rosalie Thomass) und Marc (Peter Dinklage) verbindet mehr als nur Sex, sie streiten und sie quälen sich.
Alex (Rosalie Thomass) und Marc (Peter Dinklage) verbindet mehr als nur Sex, sie streiten und sie quälen sich.

© Arte

So kann es nicht weitergehen, sagt Alexandra, die alle nur Alex nennen. Die lässige Blonde mit den knallrot geschminkten Lippen bricht ihre Ausbildung bei der Versicherung ab. Und beginnt einen Job als Taxifahrerin in Hamburg, jagt nachts durch die neongrelle Metropole. Sie ist 25, raucht unablässig, hängt in Kneipen rum, schläft mit wechselnden Männern, will keine Beziehung, weiß nicht, was wird.

Ihre bürgerliche Familie reagiert entsetzt. „Ist das dein Ernst, du fährst jetzt Taxi“, giftet der Bruder. „Denk bloß nicht, dass wir dir unter die Arme greifen, wenn du in der Gosse landest.“ Die neuen Kollegen, verkrachte und zynische Studenten, wissen alles besser, wollen ihr Vorschriften machen. Doch Alex bleibt locker, steckt sich eine an und fährt unangeschnallt los. Betrunkene Fahrgäste, pöbelnde Nachtgestalten, verzankte Liebespaare hält sie sich wortlos, mit erstaunten wie verächtlichen Blicken vom Leib. Rosalie Thomass spielt die junge Frau in einer hinreißenden Mischung aus Ruppigkeit und Sehnsucht.

Alex sucht Orientierung und Liebe, will sich das aber nicht eingestehen. Auf die Affäre mit dem malenden und machohaften Kunstjünger Dietrich lässt sie sich halbherzig ein. Anders verhält es sich mit der Beziehung zu dem kleinwüchsigen und verliebten Barkeeper Marc, mit Selbstbewusstsein und innerer Größe verkörpert von Peter Dinklage. Marc und Alex streiten und quälen sich, landen zuletzt immer im Bett. „Du bist wie ein gefühlloser Leguan“, sagt er verzweifelt und wütend.

Die Komödie „Taxi“ spielt in den wilden Achtzigern, wo Gefühle unterdrückt wurden und Coolsein angesagt war. Kinodebütantin Kerstin Ahlrichs verfilmte Episoden aus dem gleichnamigen Roman von Karen Duve. Die Autorin, die selbst Taxi fuhr, schrieb das Drehbuch, einige Szenen wurden in ihrer damaligen Wohnung gedreht. Rosalie Thomass trägt sogar einige von Duves alten Klamotten.

Der Film mit Sound und Zeitkolorit der Achtzigerjahre hat einige Längen, ist gut besetzt und lebt von dem unbändigen Hunger nach Freiheit und dem Traum von einem schrankenlosen Leben.

„Taxi“, 20.15 Uhr, Arte