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Mittwoch, 20.01.2016

Frischfleisch für die feinen Herren

Schnelles Tempo, kaputte Typen: Der ARD-Film „Operation Zucker. Jagdgesellschaft“ über den Handel mit Kindern packt, wühlt auf und verstört zutiefst.

Von Klaus Braeuer

Laura flieht vor den Kinderschändern der „Jagdgesellschaft“.
Laura flieht vor den Kinderschändern der „Jagdgesellschaft“.

© wiedemann & berg television gmbh

Vor einigen Jahren erregte der Spielfilm „Operation Zucker“ große Aufmerksamkeit. In dem Film ging es um Kinderhandel und Kinder, die zu Sex mit Erwachsenen gezwungen werden. Am Dienstagabend lief eine Wiederholung des Films von 2012. Jetzt gibt es eine Fortsetzung dazu – zumindest in gewisser Weise: „Operation Zucker. Jagdgesellschaft“ ist am Mittwoch im Ersten zu sehen. Direkt im Anschluss läuft dann die Talkshow „Maischberger“ zum Thema Kinderhandel.

Karin Wegemann (Nadja Uhl) hat sich versetzen lassen: Die einst engagierte, aber zunehmend desillusionierte LKA-Polizistin unterrichtet nun angehende Kollegen an der Berliner Polizeischule. Doch die dringend erhoffte innere Ruhe mag sich nicht so recht einstellen. Erst recht nicht, als sie eines Abends in einer Kneipe dem investigativen Journalisten Maik Fellner begegnet. Er recherchiert seit Jahren zum Thema Kinderhandel, doch seine erschütternden Artikel zeigen letztlich überhaupt keine Wirkung – teils wird er verleumdet oder gar bedroht. Die beiden brauchen sich also gegenseitig, um endlich etwas in Bewegung zu bringen.

Karin lässt sich nach Potsdam versetzen, wo sie nach anfänglichem Zögern gut mit ihrem Kollegen Ronald Krug zusammenarbeitet. Nach einem Tipp des Informanten Victor begegnen sie an einem Bahnsteig der sehr auffällig geschminkten Lucy und wenig später dem Ehepaar Voss, das offenbar neben seiner Nichte Lucy noch ein weiteres Mädchen bei sich wohnen lässt. Ganz allmählich stoßen sie auf eine verschworene Herrengemeinschaft, die bis zum Innensenator reicht und die sich unter dem Decknamen „Jagdgesellschaft“ in einer einsamen Waldhütte bei formidablem Gelage die kleinen Mädchen und Jungen zuführen lässt.

Der verstörende Film hat eine drastische Sprache und ein schnelles Tempo, und er zeigt jede Menge kaputte Figuren. Die Liebesgeschichte hätte es allerdings nicht unbedingt gebraucht. Nadja Uhl als innerlich brennende Ermittlerin und Jördis Triebel als Ex-Nutte und eiskalter Teufel, der angeblich die Kinder rettet, bilden klare Pole mit eindrucksvollem Spiel.

Ganz sicher bewegt sich der Film noch nicht nah genug an der Realität, die lässt sich wohl kaum zeigen. Aber die Ausstrahlung zur Primetime setzt ein wichtiges Signal: jeder kann aufmerksamer sein und auf kleine Zeichen achten, die auf Kinderhandel hindeuten könnten. Eingesperrte Kinder im Kofferraum stellen schon eine gewisse visuelle Brutalität dar, schlimmere Bilder bleiben dem Zuschauer zwar erspart, aber ein latentes Magengrummeln stellt sich trotzdem ein. Man bleibt zurück ohne jeden Lichtblick – bei diesem Thema wird es nie ein Happy End geben. (dpa)

„Operation Zucker. Jagdgesellschaft“, Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD

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