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Freitag, 23.03.2018

Feigheit vor dem Volk

Uwe Steimle wird zum Opfer: In Sachsen reichen sich derzeit schlechtes Kabarett und Populismus die Hand.

Von Michael Bittner

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SZ- Kolumnist Michael Bittner
SZ- Kolumnist Michael Bittner

© Ronald Bonß

Es vergeht kein Tag, an dem nicht eine Gruppe von Empörten eine Petition zur Rettung des Abendlandes der Menschheit zur Unterschrift vorlegt. Jüngst versammelte sich eine Auswahl der intellektuellen Elite Sachsens (Werner J. Patzelt, DJ Happy Vibes u. a.), um der Weltöffentlichkeit einen Aufruf zugunsten des Kabarettisten Uwe Steimle anzutragen. Eine „Ökumenische FriedensDekade“ hatte Steimle erst zum Schirmherrn erkoren, dann die Ernennung nach Protesten rückgängig gemacht – gewiss kein guter Stil. Steimle trug’s mit Fassung, seine Unterstützer aber nicht, denn sogleich war wieder einmal nichts Geringeres als die Redefreiheit in Gefahr.

Ich glaube, Uwe Steimle kann besser als eine Petition ein paar offene Worte gebrauchen. Es ist für jeden mitfühlenden Menschen traurig anzuschauen, wie Steimle sich in den verbitterten Jammerossi verwandelt, den er früher so komisch und anrührend nur gespielt hat. In seinen monotonen Tiraden gegen die bösen Amis und den Kriegstreiber Israel, seinen Hymnen auf die Friedensmacht Russland, klingt er nicht mehr wie ein Kabarettist, sondern wie ein Staatsbürgerkundelehrer. Seine Gedanken gelten dem Frieden, was lobenswert wäre, begriffe er auch noch, dass man dem Frieden nicht dient, wenn man sich in einem Kampf auf eine Seite schlägt, in dem beide Seiten Schuld auf sich laden. „Ein guter Kabarettist hält den Regierenden den Spiegel vors Gesicht und nicht dem Volke!“, so lautet der dümmste Satz aus der Petition. Als wäre nicht jenes öde Keifen gegen „die Politiker“, das sich auf dem Niveau von Witzen über „die Ostfriesen“ und „die Blondinen“ bewegt, längst auch den Klügeren unter den Kabarettisten peinlich. Der Satz fordert Feigheit vor dem Volk. Ein guter Satiriker aber deckt auch dessen Schwächen und Vorurteile auf, biedert sich beim Publikum nicht an, selbst wenn ihn das Applaus kostet.

Ein Volk hat die Politiker, die es verdient. Vielleicht sieht es im Osten auch deswegen so trübe aus, weil hier so viele wohlfeil gegen „die da oben“ meckern, die Schuld immer bei anderen suchen, aber selbst nicht mit anpacken wollen. Da reichen sich schlechtes Kabarett und Populismus die Hand. Das musste ich einfach mal sagen, auch wenn es nur wenige unterschreiben werden.

Hier können Sie die bisher erschienenen Teile der Kolumne „Besorgte Bürger“ nachlesen.

Leser-Kommentare

Insgesamt 14 Kommentare

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  1. Laubenpieper

    Mensch Bittner,wegen Ihnen wird zum Glück keiner eine Petition unterschreiben.Ihr Polemik ist wieder mal ganz große Klasse,gibt es nicht wichtigere Themen als immer wieder Ihre gleichen Auslassungen (mit Außnahmen).Sie kommen mir vor wie ein Links/Grüner Jammerwessi.

  2. Berg

    Erst Zieschong als Kabarettist, dann als Schauspieler Kommissar mit Böwe, dann der Sachsen-Erklärer im Wartburg-Camping, der Fernsehturmbewahrer - aber aus der Rolle des Comedian kommt er einfach nicht raus. Und wenn jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird, dann passt nichts mehr zusammen.

  3. Moritzburger

    Super Kommentar, Herr Bittner. Intellektuell sind sie Ihrem Kommentar-Antipoden Patzelt um Lichtjahre enteilt. Der bringt im Moment nur Bräsiges zustande. Ja der Stabü- Unterricht hat tiefe Spuren hinterlassen. Viele ostdeutsche Gehirne sind davon noch immer kontaminiert. Meine These aus Erfahrung gespeist. Über 50 % der Jahrgänge vor 1965 unserer alten DDR sind Stabü verseucht. Steimle ist selber Jahrgang 1963. Da ist Hopfen und Malz verloren. Aber die Jahrgänge ab 1985 sind weitgehend indoktrinationsfrei. Da gibt es dann nur noch den üblichen Anteil „Radikalinskis“. Also das wird mit jedem Jahr besser.

  4. Horstl

    Hierbei handelt es sich um eine "Privatmeinung, die ich nicht teile". "Verallgemeinerungen dieser Art geben denen Futter, die mit inländerfeindlichen Parolen das gesellschaftliche Klima vergiften." ich bin "sehr froh, dass sehr viele Menschen auch in Sachsen bereit sind, Ihnen Hilfe zu geben".

  5. @Bittner

    Sie sind anscheinend noch etwas jung, um die Folgen zu sehen. Staatsbürgerkunde findet schon wieder in den Schulen statt. Auch das ist Meinungsbildung. Es darf nur noch eine Meinung geben. Das hat Herr Patzelt schon an seinem Auto gesehen. Und Sie? Finden Sie das gut?

  6. Joachim Herrmann

    Wenn man die Logik aus der Wahrheit presst und dazu noch die Karriereleiter aufsteigen will, dann kommen solcherart Kommentare heraus. Bittner war auch da schon mal "sachgerechter". Und, was man von Patzelt zu halten hat, der ja mittlerweile Karriere im öffentlich- rechtlichen macht, muss jeder für sich verifizieren. Mit der Genderisierung von Aussagen und dazu noch einer "Durchleuchtung" nach Wohlgefälligkeiten, Jammerlamoranz oder auch nur Ost- Westgefälligkeiten lassen sich so wunderschön die Charaktere spalten. Das gelingt Steimle ebenso, wie Kommentatoren, die hier immer wieder zu Höchstform auflaufen. ALLEN, die vor 1965 geboren sind, die Würde einer Entwicklung abzusprechen und sie in die Formalität von Stabü zu verunglimpfen ist schon starker Tobak. Aber, das scheint bei Randdresdnergeschädigten so usus zu sein. Auch mit solchen Aussagen trottelt man Seehofer hinterher und spaltet mehr, als man eint! Um es klar zu sagen-bei vielen Texten Steimles (nicht allen)fühlt man Wahres!

  7. Gestern

    Der Plattitütenkönig hat mal wieder geschrieben. Von "Empörten" und "Rettern des Abendlandes" wird geschwafelt. Mensch Bittner, das ist sowas von gestern. Ich glaube, da hat jemand den Anschuß verpasst. Es sei hiermit mal freundlich auf die aktuelle ZEIT verwiesen, speziell ZEIT IM OSTEN. Dort kann man nachlesen, dass sich nicht nur die Welt sondern auch das Denken weiter dreht.

  8. Harald

    Stimmt Herr Bittner, Kriegstreiberei ist sowieso viel besser und falsche Behauptungen, welche man nachweislich sogar widerlegt bekommt, sind natürlich politiktreu und linientreu. Hauptsache Sie sind ein Teil der Elite arbeiten sie bitte weiter dran! Gehen Sie weiter mit guten Beispiel voran, es lebe ihre Meinung und ihre Einstellung.

  9. mak

    Herr Bittner es wird ja immer schlimmer was Sie so von sich geben. Sie wollen nur auf tiefstem Niveau provozieren, das ist schon klar. Aber so tief kann man nicht sinken. Übrigens ich mag auch nicht alles an Steimle. Aber er hat das Recht seine Meinung zu sagen in welcher Form auch immer. Man muss ja nicht darüber lachen oder schmunzeln aber auch nicht auf so übelste Art beschimpfen.

  10. K. Theo Frank

    Super Polemik! Hoffentlich hält Prof. Patzelt mal richtig dagegen. Nur eine kleine Unlogik: Im Osten wird sehr wohl mit angepackt, wenn es darum geht, politischen Druck von der Strasse aufzubauen, und das nicht nur von einer Seite.

  11. Dresdner45

    Herr Bittner, die meisten Sachsen wollen nicht provozieren und auch nicht maulen. Sie wollen sachlich, über vorhandene Probleme sprechen, damit diese vielleicht gelöst werden können. In den Augen der Andersdenkenden, ist diese Art eben Jammern. Die Schönrednerei liegt sehr vielen Sachsen nicht. Der Kabarettisten Uwe Steimle ist ein sehr bodenständiger Mann, der sich nicht verbiegen lässt. Man muss nicht jede Meinung von ihm teilen (mache ich auch nicht), aber seiner Geradlinigkeit sollte man einfach Respekt entgegenbringen. Er setzt sich für ein gutes Verhältnis mit Russland ein, was ist daran falsch? Nur weil die Regierenden dies nicht wollen, stattdessen weiter deutsche Soldaten in fremde Länder schicken und immer mehr Waffen verkaufen können, muss seine Meinung nicht falsch sein. Ich möchte auch ein gutes Verhältnis mit Russland!

  12. Joahlen

    ...Jüngst versammelte sich eine Auswahl der intellektuellen Elite Sachsens (Werner J. Patzelt, DJ Happy Vibes u. a.), um der Weltöffentlichkeit einen Aufruf zugunsten des Kabarettisten Uwe Steimle anzutragen..... Herrlich. Happy hätte ich glatt vergessen. Wer da was auch immer unterschreibt oder auch nicht. Solange bei der intellektuellen Elite Sachsen die Welterklärer Siggi Däbritz und Paul Carsten Hütter nicht dabei sind kann ich die Sache nicht ernst nehmen. - Danke Michael Bittner

  13. thommy_aus_dd

    Uwe Steimle ist zwiespältig. Seine Friedensansichten kann ich teilweise noch nachvollziehen, aber seine Wiedergabe von nachweislich falschen Gerüchten (Ausländer kacken angeblich hinter den Altar des Freiberger Doms) sind einfach nur rassistische Hetze auf Pegida-Niveau. Kritik daran darf und muss möglich sein. Steimle hat sich entschlossen, die Marktlücke "rechter Kabarettist" zu füllen, nun muss er mit dem Gegenwind leben.

  14. Postplatzanwohner Rechthaber

    Bittner, wäre es nicht souveräner Du versuchst wenigstens mal, die Aussagen und Argumente offen und ehrlich zu wiederlegen? Selbst Ohne tiefgründige Ausbildung dürfte jemanden der " Irgendwas mit Medien" macht, diese Dialektik klar sein. Oder etwa nicht? Wenns nur darum geht Personen wegen Ihrer Haltung als ganzes zu denunzieren, ist selbst ein subjektiver Kommentar bloß eine weitere willkürliche Meinung, die darum bettelt selbst auf Anerkennung zu erhalten. Wenn Zeitungen nur noch echte Meldungen auf weißem Papier drucken dürften und den Teil mit Meinungen, Kommentare, Belehrungen und Indoktrinationen auf zartrosa Papier, könnte das Volk beim Anblick fast geneigt sein an " Schweinepresse" zu denken, bei soviel Rosarot.

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