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Montag, 02.04.2012

Farbreiche Poesie der Kontraste

Porträtbilder der Fotografin Gabriele Seitz und Malerei von Nazanin Zandi zeigt eine Ausstellung im Barockgarten Großsedlitz.

Von Lilli Vostry

Während die Natur ihre ersten Farbtupfer im Barockgarten Großsedlitz setzt, locken derzeit vielfarbige Bilder des Lebens der Ausstellung „Poesie der Kontraste“ in die Obere Orangerie. Zu sehen sind Malerei von Nazanin Zandi und Porträtfotografie von Gabriele Seitz. Mit ihrer gemeinsamen Schau eröffnete am vergangenen Sonnabend zugleich die neue Saison im Barockgarten Großsedlitz, wo die Besucher neben historischer Gartenkunst auch wieder reichlich Kultur – von Ausstellungen, Führungen mit Sinnes- und Duftverführungen bis zu Konzerten – im ehemals königlichen Lustgarten Großsedlitz erleben können.

Interkulturelle Bilder

Die großformatigen Schwarz-Weiß-Aufnahmen stammen aus dem Fotoband „Poesie der Kontraste“, den die Fotokünstlerin Gabriele Seitz aus Radebeul im Jahr 2008 herausbrachte. Ihre Fotografien erzählen mit großer Offenheit und Natürlichkeit die Geschichte einer ungewöhnlichen Liebe zwischen zwei Welten mit allen Reizen und Gegensätzen, aller Schönheit und Vielfalt. Gabriele Seitz begleitet alljährlich die Interkulturellen Tage in Dresden mit der Kamera. Sie fotografiert Menschen aus anderen Kulturen, ebenso ältere Menschen im Pflegeheim, einheimische und fremdländische Landschaften und Bäume.

Einen sowohl betörenden als auch spannenden Kontrast zu den Fotografien setzen die energiegeladenen, sanften und zornigen, figuren- und farbreichen Bilder der im Iran geborenen und inzwischen in der Dresdner Neustadt lebenden Künstlerin Nazanin Zandi. Die Porträtaufnahmen von Gabriele Seitz, die zwischen 2003 und 2012 entstanden, zeigen Nazanin Zandi zusammen mit ihrem Partner, dem Trommler Jack Panzo. Er stammt aus Angola und fand wie Nazanin eine neue Heimat in Dresden. Sie haben zwei Töchter zusammen.

Seit März lebt das Paar getrennt. Dennoch entschied sich Nazanin Zandi dafür, die Fotografien aus der Zeit ihres Zusammenseins in dieser Ausstellung zu zeigen. „Weil sie einen wichtigen und besonderen Abschnitt meines Lebens darstellen“, sagt sie, „und weil die schönen Momente in den Bildern auch bewahrt bleiben.“

Die Faszination am Anderssein und Fremden, die sich von Anfang an nicht nur süß und leicht schmelzend wie Milch und Zucker, sondern auch sehr widersprüchlich anfühlt, spiegeln die Aufnahmen von Gabriele Seitz einfühlsam und ausdrucksstark wider – mittels Blicken, Gesten und Körpersprache vor neutralem Hintergrund. Da treffen Szenen von geballter Stärke, Stolz und herausfordernder Männlichkeit in einem archaisch-rituellen Tanz mit hoch erhobener Trommel auf zart-verletzliche Momente vorsichtiger Annäherung und Berührung. In denen die Grenzen zwischen Schwarz und Weiß im Streicheln eines Gesichts, ineinander verflochtener Hände und im Anlehnen aneinander für einen Augenblick aufgehoben sind.

Nazanin Zandi geht es in ihren Bildern vor allem um den „Kultur-Aufprall“, wie sie es nennt. Ihre Arbeiten sind grell, bunt und metapherreich. In ihrer Malerei verarbeitet sie auch ihre eigenen Erfahrungen mit den Unterschieden in den Kulturen dieser Welt, die sich immer noch in gegenseitigem Rassismus entladen. Nazanin Zandi benutzt in ihren Bildern auch plakative Symbole, um Klischees in den Köpfen sichtbar zu machen und zu hinterfragen. Sie zeigt das Gegenteil hinter der schönen Fassade vermeintlicher Harmonie. Ihre Bilder erzählen meist über Zwischenmenschliches, über Liebe, Verrat, Härte und Gleichgültigkeit in Beziehungen und über das Leben, das dennoch weitergeht mit aller Farbig- und Lebendigkeit und täglich neue Wege und Möglichkeiten eröffnet. In die Bilderwelt von Nazanin Zandi fließen in oft märchenhaft surrealer Formensprache auch persische Mythen und kalligraphische Schriftzeichen mit ihrem Sinngehalt aus ihrem Heimatland Iran ein. So steht auf einem Bild die Weltkugel auf dem Horn eines Stieres auf der Kippe. Ein Fisch wogt im windzerzausten Haar einer Frau vor einer Meerlandschaft.

Studium in Paris

Nazanin Zandi reiste mit zweieinhalb Jahren mit ihrer Mutter aus dem Iran nach Italien aus. Sie zeichnet seit ihrer Kindheit, studierte in Paris Architektur und kam über ein französisch-deutsches Austauschprogramm im Jahr 1994 nach Dresden. Seither lebt und arbeitet sie hier als freischaffende Künstlerin mit eigenem Grafikbüro und Ladenatelier „Zandigrafix“.

In ihren Bildern sind abstrakte und weich fließende Formen aus der Mensch- und Naturwelt vieldeutig verwoben. Da öffnen und schließen sich Gesichter wie Fenster- und Türöffnungen nach innen und außen, berühren und mischen sich weibliche und männliche Konturen und blinzeln Pflanzengesichter. Nazanin Zandi malt mit Eitempera auf Leinwänden, außerdem lässt sie in Aquarellen auf Papier und neuerdings auch auf strukturreichem Holzgrund ihre form- und poesiereichen Wesen erwachsen.

Die Ausstellung „Poesie der Kontraste“ lädt die Besucher sowohl zu stiller Zwiesprache als auch lebhaftem Dialog über die Schönheit kultureller Unterschiede ein.

Bis 31. Oktober im Barockgarten Großsedlitz, Heidenau, geöffnet täglich 9.30 bis 18 Uhr.