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Montag, 18.01.2016

Fahnder mit Filmriss

Die zweite Folge der Krimireihe mit Ulrich Noethen als Psychologe Jessen punktet mit Spannung und starker Besetzung.

Von Johannes von der Gathen

Zunächst ist Skepsis angesagt: Kann Psychologe Jessen (Ulrich Noethen, r.) Kommissar Ruiz (Jürgen Maurer) helfen, die Erinnerungen wiederzuerlangen? Und gibt es Verbindungen zu einem anderen Fall? Foto: ZDF
Zunächst ist Skepsis angesagt: Kann Psychologe Jessen (Ulrich Noethen, r.) Kommissar Ruiz (Jürgen Maurer) helfen, die Erinnerungen wiederzuerlangen? Und gibt es Verbindungen zu einem anderen Fall? Foto: ZDF

© zdf und marion von der mehden

Ein beklemmender Auftakt: Bewusstlos und mit zwei Schusswunden schwer verletzt liegt der Hamburger Polizist Vincent Ruiz am grauen Elbstrand. Totaler Blackout: Der verstörte Beamte kann sich beim Aufwachen nicht mehr an die letzten neun Tage erinnern.

Dabei haben die Kollegen seine Blutspuren auf einer zerschossenen Jacht entdeckt, und der knallharte interne Ermittler Kampmann hat Ruiz, der im Fall eines vor drei Jahren verschwundenen Mädchens ermittelt, schon lange im Visier. Jetzt kann dem Fahnder mit Filmriss nur noch der Seelenklempner Joe Jessen helfen, die Ereignisse aufzuklären. Zu erleben in dem äußerst spannenden, stark besetzten Krimi „Neben der Spur – Amnesie“.

Die erste Folge der „Neben der Spur“-Reihe nach den Kriminalromanen des Australiers Michael Robotham lief im vorigen Jahr und erzielte mit 6,06 Millionen Zuschauern eine beachtliche Quote. Sollte sich dieser Erfolg wiederholen, steht weiteren Folgen wohl nichts im Weg. Der 1960 geborene Robotham hat etliche weitere Krimis geschrieben.

Der aktuelle Fall „Amnesie“ erzählt auf verschiedenen Ebenen von der Verantwortung für Kinder. Ruiz ermittelt im Fall der vor drei Jahren verschwundenen kleinen Lilly Holsten. Er will nicht an einen Mord glauben, auch wenn nach einem Indizienprozess der pädophile Nachbar Bernd Höfert schuldig gesprochen wurde. Mit seiner eigenen Tochter hat Ruiz seit Jahren nicht gesprochen, vielleicht engagiert er sich deshalb so im Falle von Lilly. Diese abgründige Geschichte geht weit über gängige TV-Krimistandards hinaus, hin in Richtung Psychothriller. „Helfen Sie mir, mein Gedächtnis wiederzufinden“, bittet Ruiz den bedächtigen Psychologen Jessen, der durchaus auch eigene Probleme hat. Er ist an Parkinson erkrankt, kann Geschenke für seine kleine Tochter nicht mehr einpacken, und seine Frau erwartet ein Kind.

Ulrich Noethen verkörpert diese durchaus gebrochene, zerbrechlich wirkende, aber immer hellwache Figur mit gewohnter Souveränität, etwas Humor und großer Gelassenheit. Der athletische Österreicher Jürgen Maurer spielt den Draufgänger Ruiz, der hinter seiner schroffen Fassade von verdrängten Traumata gequält wird. „Ich bin aber keiner ihrer Neurosepatienten“, wehrt er bei einem Gespräch den Psycho-Profi ab. Aber zu diesem Zeitpunkt hat Jessen längst einen tiefen Einblick genommen in die geschundene Seele seines Schützlings. Und als Zuschauer fühlt man sich auch sehr wohl auf der Couch dieses Menschenverstehers. (dpa)

„Neben der Spur – Amnesie“, 20.15 Uhr, ZDF

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