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Montag, 13.11.2017

Erfolg ohne Wunderkind-Gen

Die Japanerin Mo Nagashima steht am Sonntag auf der Bühne der Semperoper Dresden. Dabei studiert sie noch.

Mo Nagashima hat sich bewusst für ein Geigen-Studium in Dresden entschieden. Besonders die Elbkulisse spielte dabei eine ganz besondere Rolle.
Mo Nagashima hat sich bewusst für ein Geigen-Studium in Dresden entschieden. Besonders die Elbkulisse spielte dabei eine ganz besondere Rolle.

© René Meinig

Manchmal haben Fotos eine besondere Macht. Sie bringen Menschen zum Beispiel dazu, in eine andere Stadt umzuziehen. Moe Nagashima ist es so ergangen. Schon vor einigen Jahren kam die Japanerin zum Geigen-Studium nach Deutschland, war erst in Nürnberg. Danach wollte sie in München, Berlin oder Dresden weiterstudieren. „Als ich im Internet das Foto von Dresden sah, mit der Elbe und der Altstadt, wollte ich unbedingt hierher.“ In einem dieser Prachtbauten am Elbufer steht sie am Sonntag auf der Bühne: Sie ist die Solistin beim großen Konzert der Dresdner Musikhochschule in der Semperoper.

Im Publikum sitzt dann auch ihre Mutter. Sie ist heute sehr stolz auf ihre Tochter, auch wenn sie anfangs gar nicht begeistert war, dass diese beruflich einen musikalischen Weg einschlug. „Sie ist Gesangslehrerin und wusste, dass ein Job als Berufsmusiker sehr hart ist“, sagt die 26-Jährige. Aufgewachsen ist Moe Nagashima in der Nähe von Tokio. Eigentlich sollte sie als Kind Flöte oder Klavier lernen. Doch schon früh entdeckte sie die Liebe zum Geigespielen. „Aber ich war keins dieser Wunderkinder, die jeden Tag stundenlang übten“, sagt sie. Sie ging lieber schwimmen, machte nebenbei noch Gymnastik. „Ich spielte gern Violine, aber mir war nicht bewusst, dass man das auch beruflich machen kann.“ Eine Lehrerin erzählte ihr damals von den Möglichkeiten an einer Musikhochschule. „Da war ich 16 Jahre alt. Noch am gleichen Tag habe ich zu meiner Mutter gesagt: Das will ich machen.“

Ihre Mama war nicht begeistert, doch erlaubte ihr die einmalige Teilnahme an der Aufnahmeprüfung für ein Studium an der Musikhochschule in Tokio. „Ich hatte zwei Jahre, um mich darauf vorzubereiten.“ Sie legte den Turbo-Gang ein, übte mehrere Stunden täglich. Der Aufwand lohnte sich. Am Ende ergatterte sie einen Platz an der Hochschule in der japanischen Hauptstadt. Doch der Lärm der Großstadt, die vielen Menschen in Tokio machten es schwierig, sich auf die Musik zu konzentrieren. „Es war irgendwie immer laut.“ Sie wollte unbedingt nach Deutschland.

Heute ist sie Studentin in der Meisterklasse an der Musikhochschule Dresden. Vor den vergangenen Sommerferien bekam sie die Anfrage, ob sie am Vorspiel für das Konzert in der Semperoper teilnehme wolle. „Also habe ich während der Ferien geübt.“ Am Ende setzte sie sich beim Vorspiel gegen eine weitere Bewerberin durch. „Ich bin überglücklich, jetzt mit dem Orchester als Solistin auf der Bühne stehen zu dürfen“, sagt sie. Gespielt wird unter anderem das Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 des Komponisten Béla Bartók. Sehr knifflig, technisch anspruchsvoll und äußerst kompliziert. Doch Moe Nagashima liebt die Herausforderung.

Wie im Juni, als sie für das Philharmonische Orchester Plauen-Zwickau vorspielte. Eine Stimmführerin wurde gesucht. „Ich dachte, die nehmen mich nicht, weil ich zu jung bin. Ich hatte nichts zu verlieren.“ Diese Lockerheit machte wohl den Unterschied. Sie hat den Job. (jam)

Konzert: mit dem Sinfonieorchester der Musikhochschule Dresden, Sonntag, 19. November, um 18 Uhr in der Semperoper; Tickets für sechs bis 27 Euro unter: www.semperoper.de

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