erweiterte Suche
Montag, 04.01.2016 Der Krimi am Sonntag

Er ballert immer weiter

Die ersten Testosteron-„Tatorte“ von Til Schweiger sind vorbei. Sie haben die Standards für die beliebte TV-Reihe verändert.

Von Bernd Klempnow

23

Nick Tschiller (Til Schweiger) sitzt in der Falle und nutzt diesmal nicht die klassische Handfeuerwaffe. Szene aus dem vierten Schweiger-„Tatort: Fegefeuer“. Ein Kino-„Tatort“ sowie weitere TV-Produktionen folgen.
Nick Tschiller (Til Schweiger) sitzt in der Falle und nutzt diesmal nicht die klassische Handfeuerwaffe. Szene aus dem vierten Schweiger-„Tatort: Fegefeuer“. Ein Kino-„Tatort“ sowie weitere TV-Produktionen folgen.

© ARD

Sieben Leben hat offenbar der „Tatort“-Nick Tschiller aus Hamburg. Egal, womit er beschossen wird, egal, wie lange man auf ihn einprügelt, der LKA-Mann übersteht – wenn auch arg ramponiert – jede Attacke. Mit dem gestrigen Teil „Fegefeuer“ hat das nun Til Schweiger viermal gespielt. Seit 2013, als Tschiller erstmals in der ARD agierte, klärt er so Mädchen- und Drogenhandel auf, richtet so Schurken – reihenweise, oft im Alleingang und garantiert fern des üblichen polizeilichen Ermittlerrahmens. Nach dem Gemetzel am Sonntag kann man verstehen, dass der verantwortliche NDR die Actionfilme wegen aktueller Bezüge zum Terror in Paris im November aus dem Programm genommen hatte. Wenn Tschiller im Testosteron- Rausch die böse Welt rettet, dann klopft er im Zweifel nicht an die Tür, sondern tritt sie ein oder sprengt sie weg. Das Publikum folgte ihm bislang mit über zehn Millionen Zuschauern, wenn auch die Quote am – stets wenig geschauten – Neujahrstag für Teil drei „Der große Schmerz“ darunter lag.

Dennoch: Schweiger, sonst eher ein Wohlfühlfilmer, und sein Team haben die Standards für den Sonntagskrimi verschoben. So viel Action und Blut, so viele vordergründige Grausamkeiten gab es noch nie im „Tatort“. Dass vieles extrem realitätsfern war, stört in anderen nach amerikanischem Vorbild gedrehten Actionsserien wie „Cobra 11“ ja offenbar auch nicht.

Und man muss es erst einmal schaffen, über 360 Minuten die Spannung zu halten, ohne dass ein Großteil des Publikums versteht, worum es geht. Das ist eine weitere Neuerung durch den Hamburger „Tatort“. Ein Regisseur und ein Drehbuchautor statt wechselnde Teams erzählen alle Teile – nicht mehr klassisch in sich geschlossen, sondern über mehrere Folgen hinweg. Der Start war im März vor drei Jahren, Teil zwei kam vor zwei Jahren, jetzt der Rest: Erinnert sich noch jemand an Details?

Jahre auf eine Fortsetzung zu warten hat traditionelle „Tatort“-Fans, die spätestens 21.42 Uhr den Mörder überführt wünschen, vergrault. Dafür haben die knallharten Schweiger-Krimis deutlich beim jüngeren Publikum hinzugewonnen. Der NDR dankt es dem Star, der mit Schlagersängerin Helene Fischer als russischer Killerin im dritten Teil einen zusätzlichen Trumpf hatte. Sollte es anfangs nur vier dieser Brutalofilme geben, ist nun ein Ende nicht absehbar. Für acht Millionen Euro entstand der Kino-„Tatort: Off Duty“ als eine Art Finale um den Astan-Clan – in Lichtspielhäusern ab Februar zu sehen, in der ARD erst 2018.

Und neue deutsche Rambo hat für drei weitere „Tatorte“ unterschrieben. Gedreht wird erst 2017. „Wir haben noch nicht entschieden“, sagt Til Schweiger, „wer der neue Feind ist, den es zu bekämpfen gilt.“

Leser-Kommentare

Seite 1 von 5

Insgesamt 23 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. elbgeistDD

    dann doch lieber Felix Murot...

  2. schulmeister

    ach elbgeist, hören Sie doch auf! Da muß man ja denken! :-) Ich sehe es genauso wie Sie.

  3. Vincent

    Rambo für Arme... Jetzt geht dieser miese Schauspieler schon mit der Panzerfaust auf Gangsterjagd. So wie er sich in der Öffentlichkeit benimmt, so tritt er auch in diesen Gewaltphantastereien auf. Zum abschalten diese Gewaltorgie!

  4. kopfschütteln

    innerhalb einer woche vier tatorte mit tillschweiger. und dann noch helene fischer, die auch jeden abend mehr oder weniger wiederholt auf dem bildschirm erschien. ist das die öffentlich-rechtliche form des weihnachtsfriedens?

  5. S.K.

    Til ... wer? ....

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 5

Ihr Kommentar zum Artikel

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Verbleibende Zeichen: 1000
Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein