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Eine Welt voller Promenadenmischungen

Es ist so wunderbar leicht, einen Menschen misszuverstehen.

17.06.2016
Von Michael Bittner

 voller Promenadenmischungen
Michael Bittner

© Ronald Bonß

Werner J. Patzelt hat hier vor einer Woche nicht ganz die Wahrheit geschrieben. Er behauptete, ich hätte, als ich in meiner letzten Kolumne den Begriff „Promenadenmischung“ verwendete, beleidigen wollen, und zwar nicht andere Völker, sondern „nur die Deutschen“. Gesagt hatte ich tatsächlich genau das Gegenteil: „Das deutsche Volk ist eine Promenadenmischung, so wie die meisten anderen Völker auch.“ Sodann verdächtigte mich Professor Patzelt noch, ich hielte alle Deutschen für „notorische Rassisten“ und „Latenznazis“ – ein Unfug, der mir gewiss nie in den Sinn oder über die Lippen käme.

Leichter, als einen Menschen richtig zu verstehen, ist es stets, ihn misszuverstehen. Gegen einen selbst gebastelten Popanz gewinnt man eine Diskussion leichter als gegen eine wirkliche Person. Hat Professor Patzelt Beifall so bitter nötig, dass er einen solchen Triumph nicht verschmäht? Da ich selbst gewiss auch nicht immer ohne Fehl bin, möchte ich aber gerne glauben, dass seine Fehlleistung nicht böser Absicht, sondern einem Anfall von teutonischem Furor entsprungen ist.

Jeder Mensch mit gutem Willen und ein bisschen Humor hat verstanden, dass ich mit dem Wort „Promenadenmischung“ niemanden beleidigen wollte als die Lobredner des Rassenstolzes. Sie sind es, die – wie etwa Houston Chamberlain, ein Ideengeber Hitlers, – glauben, dass „die Menschengeschichte demselben Gesetze gehorcht“ wie die „Tierzucht“. Die Rassisten sind es, die Menschen wie Vieh betrachten und behandeln. Sie wollen vorschreiben, wie oft und mit wem sich die Leute fortzupflanzen haben. Sie möchten Zuchtstationen für erwünschte und Schlachthäuser für unerwünschte Rassen bauen. Solche Typen aber streben gerade wieder an die Macht, zum Beispiel in Gestalt von Björn Höcke, dem ja auch Professor Patzelt in einem Gutachten überzeugend rassistische Äußerungen nachgewiesen hat. Ich bin mit Professor Patzelt einig darin, dass eine Gesellschaft nicht auf dem Wahn vom gemeinsamen Blut gründen sollte, sondern auf einem gemeinsamen Verantwortungsbewusstsein. Wenn er das Patriotismus nennen will, soll’s mir recht sein.

Welch heißes Eisen Professor Patzelt nun in seiner nächsten Kolumne auch immer anpackt – es möge bitte dieser ominöse „Bürger Bittner“, mit dem ich so wenig Ähnlichkeit habe, nicht wieder die Hauptrolle spielen.

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