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Ein Trost- und Jubelfest für Clara und Robert Schumann

Matthias Jung kämpft seit Jahren für das Künstlerpaar. Obwohl es in Dresden sehr produktiv war, sich liebte und stritt, steht es stets im Schatten anderer Götter.

08.06.2016
Von Bernd Klempnow

- und Jubelfest für Clara und Robert Schumann
Chordirigent Matthias Jung gestaltet mit seinem international geschätzten Sächsischen Vocalensemble und anderen renommierten Künstlern alljährlich ein Schumann-Fest in Dresden.

© Oliver Killig

Immer im Schatten: Obwohl Clara und Robert Schumann in Dresden von 1844 bis 1850 hochproduktive Zeiten hatten, wird das geniale Künstlerpaar in der Elbresidenz kaum als solches wahrgenommen. Zu stark gilt die Stadt als Wirkungsstätte von Weber, Wagner und Strauss. Dabei lebten und arbeiteten diese Komponisten kaum länger in Dresden als die Schumanns und schrieben auch nicht unbedingt mehr. Strauss reiste gar nur aus Berlin zu seinen Uraufführungen und Konzerten an.

„Die Schumanns gehören auf den Sockel“, sagt der Dresdner Dirigent Matthias Jung, „Clara als großartige Pianistin und Muse, Robert als Schöpfer von brillanten sinfonischen, Klavier- und Bühnenstücken sowie unzähligen Chorwerken und Liedern.“ Jung muss es wissen. Der 51-Jährige erschließt seit Langem solche Kompositionen für seine Chöre, vor allem das Sächsische Vocalensemble. Und richtet seit sieben Jahren Anfang Juni, um den Geburtstag von Robert, eine Schumann-Ehrung aus.

Je nach Partnern und Haushaltslage des nur institutionell und recht knapp geförderten Ensembles, ist die Party mal größer oder kleiner. Künstlerisch opulent sind sie stets. Jung hat viele Idealisten um sich geschart und mit ihnen interessante Ideen umgesetzt. So gibt es jedes Jahr selbstverständlich ambitionierte Konzerte, die oftmals selten aufgeführte Meisterwerke bieten oder Klassiker – auch in der Gegenüberstellung mit anderen Stücken – neu befragen. Diesmal nimmt sich Jung unter anderem das Spätwerk „Verzweifle nicht im Schmerzensthal“ vor, eine „Trostmotette von fast sinfonischem Ausmaß“. Sie war entstanden, als die fortschreitende Nervenkrankheit Robert schon beeinträchtigte.

Zu diesem Auf-den-Sockel-Heben durch Jung und seinen Kreis gehört auch, dass allmählich eine Art Schumann-Straße in und um Dresden entsteht: An Orten, wo Clara und Robert musizierten, lebten, liebten und stritten – etwa Kirchen, Konzerthäuser und Wohngebäude –, erinnern Medaillons an die beiden. In diesem Jahr kommt eines im Schlosspark von Weesenstein dazu. Dorthin war Clara 1837 von Maxen aus gewandert, wohin sie ihr Vater Friedrich Wieck geschickt hatte, um die Liebe zu Robert in Leipzig zu sabotieren. Wiecks Plan misslang: Wohl mussten die Liebenden die Heirat per Gericht einklagen, waren aber dann auch in dieser Hinsicht recht produktiv. Vier Kinder kamen in den Dresdner Jahren zur Welt. Mit dem Wissen ist das diesjährige Thema der Ehrung „Weltliches und Geistliches“ noch trefflicher gewählt.