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Montag, 09.01.2017 Der Krimi am Sonntag

Ein Schatten von Schauspieler

Der gefeierte Darsteller Wolfram Koch bleibt auch im neuen Frankfurter „Tatort“ weit unter seiner Möglichkeiten.

Von Rafael Barth

„Scheiß Flüchtlinge“: Weil neue Hausbewohner das Bad blockieren, startet Hauptkommissar Paul Brix (Wolfram Koch) missmutig in den Tag.
„Scheiß Flüchtlinge“: Weil neue Hausbewohner das Bad blockieren, startet Hauptkommissar Paul Brix (Wolfram Koch) missmutig in den Tag.

© HR

Was für ein Abend! Die Geschichte entrollt sich eigenwillig in tragischer Wucht mit irrem Gelächter. Die Schauspieler arbeiten höchst konzentriert, das Geschehen nimmt ein bis zum Schluss. Und die Zuschauer sind begeistert. Nein, hier ist nicht die Rede vom jüngsten „Tatort“. Sondern von der ausgezeichneten Inszenierung „Die Perser“, die das Deutsche Theater Berlin einmal auch in Dresden gezeigt hat. Der Verbindungsmann zwischen Bühne und Fernsehen heißt Wolfram Koch. Wer den Schauspieler aber beispielsweise in einem antiken Drama erlebt hat, der fragt sich, was derselbe im Frankfurter Krimi zu schaffen hat.

Denn was man beim „Tatort“-Gucken niemals ahnen würde: Wolfram Koch ist ein äußerst gefragter Darsteller. Ohne große Worte, aber gern mit körperlichem Einsatz entdeckt er das Witzige im Traurigen und umgekehrt. Namhafte Regisseure flankieren seine Laufbahn, er war an Theatern in Frankfurt, Bochum oder der Berliner Volksbühne. Für seine Rolle in Becketts „Warten auf Godot“ bekam er einen der wichtigsten Theaterpreise im Land, den Gertrud-Eysoldt-Ring. Und jetzt?

Jetzt sitzt man vorm Bildschirm und schaut „Land in dieser Zeit“, diesen Fall, der neurechte Kreise und zwielichtige Asylbewerber in eine Filmkonstruktion stopft. Die kurzen Szenen wirken teils bemüht aneinandergereiht, manche sind überflüssig, die Spannung hält sich in Grenzen. Und daran ändert die Beteiligung von Wolfram Koch leider kaum etwas.

Sein Hauptkommissar Paul Brix bleibt blass, auch nach dem fünften Frankfurter „Tatort“. Dass Brix ein echter Typ sein könnte, deutet noch am ehesten seine Wohngemeinschaft mit der mütterlich-flirrenden Fanny an. Wenig zu zeigen, das kann spannend sein in Filmen oder Theaterstücken, die sich Zeit nehmen. Im schnelllebigen Krimigewerbe geht ein feinnerviger Schauspieler wie Wolfram Koch unter. Warum also tut er sich das an?

Koch lebt auch privat in Frankfurt und so oft es geht in seinem Haus in der Bretagne. Er ist Freiberufler, Vater von vier Kindern und bald 55. Der „Tatort“ bringt ihm deutlich mehr Aufmerksamkeit als die Theaterspielerei allein und, klar, auch mehr Geld. Geld zum Leben. Und um sich anderntags die Freiheit zu nehmen, die Koch für seine anarchischen Theaterrollen braucht.