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Freitag, 19.02.2016

Ein-Mann-Armee ohne kriegerisches Potenzial

Michael Moore findet deutsche Großzügigkeit gegenüber Flüchtlingen bewegend.

Regisseur auf Reisen – mit US-Flagge im Gepäck. Szene aus Moores Film „Where to invade next“.
Regisseur auf Reisen – mit US-Flagge im Gepäck. Szene aus Moores Film „Where to invade next“.

© Falcom Media/dpa

Per Videobotschaft auf der Berlinale hat US-Regisseur Michael Moore Deutschland ein Kompliment gemacht: „Eure Großzügigkeit und Güte gegenüber Flüchtlingen haben mich und Millionen Amerikaner bewegt“, sagte Moore. „Und ich weiß, es gibt Probleme.“ Moores neuer Film „Where To Invade Next“ feierte auf dem Festival in Berlin seine Europapremiere.

Der 61-Jährige war selbst aber nicht dabei. Die Ärzte hätten ihm nach einer Lungenentzündung noch nicht erlaubt zu fliegen, sagte er im Video. Dafür sei er stolz, dass wahrscheinlich das erste Mal in der Geschichte des Festivals jemand seinen Film im Bademantel vorstelle. „Das zählt ja vielleicht auch etwas.“

In seinem neuen Film marschiert Moore mit amerikanischer Flagge in verschiedene Länder ein, um die besten Ideen von dort mit in die USA zu nehmen.

Und so erfährt Moore ganz Erstaunliches auf seinem Europa-Trip (mit einem Abstecher nach Tunesien) – was von ihm in weiten Strecken ganz vergnüglich und geradezu heiter aufbereitet worden ist. Die Themen aber sind ernst und gewichtig: Es geht um das Schulsystem, Arbeitermitbestimmung, Gefängnisse, Drogenpolitik, Ernährung, Gleichberechtigung oder Bildung.

Große Augen macht Moore, als er in das finnische Schulsystem hineinschnuppert. In dem skandinavischen Land müssen die Kinder tatsächlich keine Hausaufgaben machen. Und das funktioniert: Die finnischen Schüler gehören zu den besten in der Welt. Das ist der Moment, in dem Michael Moore die US-Flagge hervorkramt und sie in den Boden rammt, um dieses Bildungssystem für Amerika als eine Art Ein-Mann-Armee ohne kriegerisches Potenzial zu „stehlen“. In Italien ist er dem Geheimnis des Glücks auf der Spur, in Frankreich geht es um das Essen und in Slowenien um die Universitäten. Auch Deutschland stattet Michael Moore einen Besuch ab und ist von dem Umgang des Landes mit seiner Nazi-Vergangenheit beeindruckt. Der Film kommt am 25. Februar in die deutschen Kinos.

Per Video auf der Berlinale sagte Moore zum Thema Flüchtlinge auch, die USA hätten das Problem größtenteils geschaffen. Viele seien auf der Flucht, weil sie in diese Gegenden der Welt einmarschiert seien, sie zerstört und verlassen hätten. „Ich möchte sagen als Amerikaner: Das tut mir sehr leid.“ (dpa)