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Mittwoch, 13.09.2017

Ein Heldenhund namens Hitler

Im Krimi von Anne Chaplet geht ein Höhlenforscher verloren. Geheimnisse der Vergangenheit aber kommen ans Licht.

Von Bettina Ruczynski

Anne Chaplet ist das Pseudonym der Autorin Cora Stephan.
Anne Chaplet ist das Pseudonym der Autorin Cora Stephan.

© Verlag

Victoria und Carl Godon haben sich den Traum vom sonnigen französischen Süden erfüllt. In einem Bergdorf inmitten der wilden Landschaft des Vivarais haben sie sich ein historisches Gemäuer geleistet. Doch jetzt ist die 42-jährige Victoria, genannt Tori, allein. Ihre große Liebe Carl ist gestorben. Tapfer kämpft sich die Anwältin durch die langen, einsamen Tage. Immerhin muss sie sich um Geld keine Gedanken machen; Carl hat bestens für sie gesorgt.

Da verschwindet plötzlich ein junger Mann aus Holland, der die Höhlen der zerklüfteten Gegend erkundete. Angeblich war er auf der Suche nach einem mysteriösen Grab. Ein alter Dorfbewohner, mit dem der Holländer sich lange und flüsternd unterhalten hat, stirbt kurz darauf bei einem Sturz von der Kellertreppe. Tori traut dem Frieden nicht und forscht nach.

Hilfe erhält sie von einem Pitbull namens Hitler. Das arme Tier gehört einem Autoschrauber, der aus dem Maghreb stammt, seine Werkstatt neben Toris Haus hat und dem Pitbull schwer übel nimmt, dass er kein Kampfhund ist und seinem Namen keineswegs gerecht wird. Kann er auch nicht, denn Hitler war mal ein kluger Therapie-Hund. Es kommt, wie es kommen muss: Tori rettet das Tier, nennt es July und hat fürderhin stets eine treue Seele an ihrer Seite. Als sich Tori in derselben Felsenhöhle wiederfindet wie der verunglückte Holländer, ist es der Heldenhund, dem beide ihr Leben verdanken. Doch die mysteriösen Todesfälle im Dorf nehmen kein Ende. Das Paradies zeigt Risse: „Auf der Landschaft und ihren Menschen lastete vergangenes Verhängnis.“

Anne Chaplet, Verfasserin von zehn Krimis, schreibt ihren elften als Liebeserklärung an die Gegend am Fuße der Cevennen. Diese Liebeserklärung kommt ohne rosarote Brille aus. In dieser spannend erzählten Geschichte erfährt man nicht nur Angenehmes und Sympathisches über den rauen, wortkargen Menschenschlag, der mit Autoritäten und Fremden seine Probleme hat. „Die Landschaft und der rebellische Geist ihrer Bewohner waren nicht voneinander zu trennen. Unter der Schönheit lag ein Morast von Unterdrückung und Gewalt, doch darüber schwebten Standhaftigkeit und Mut.“

Wissenswertes für den potenziellen Frankreich-Reisenden gibt es obendrauf: Dass der Franzose als solcher nicht mit seinem Weinglas anstößt, dass deutscher Weißburgunder dem Wein im Vivarais jederzeit vorzuziehen ist und dass es im sonnigen Süden zuweilen lausig kalt werden kann, nicht nur im Winter.

Anne Chaplet, die Cora Stephan heißt, schreibt seit über dreißig Jahren, darunter den Bestseller „ Ab heute heiße ich Margo“. Sie lässt ihre kluge Heldin Tori tief eindringen in die Geschichte des Vivarais – von der grausamen Verfolgung der Hugenotten bis hin zum Partisanenkampf der Rèsistance im Zweiten Weltkrieg. Der Pitbull ist immer dabei und eine kleine Weile auch ein deutscher Kirchenrestaurator, von dem sich Tori – und die Leserin – etwas mehr versprachen. Aber das kann noch kommen: Hund und Heldin haben durchaus das Zeug zur Fortsetzung. Was Anne Chaplet davon hält, kann man sie demnächst in Dresden fragen.

Anne Chaplet: In tiefen Schluchten. Kiepenheuer & Witsch, 309 Seiten, 9,99 Euro

Lesung und Gespräch am 13. September, 19 Uhr, im QF-Hotel Dresden, An der Frauenkirche, Eintritt frei