erweiterte Suche
Montag, 13.11.2017

Ein Fünf-Sterne-Erlebnis

Die Dresdner Philharmonie und Pianist Bavouzet erhitzen musikalische Schmelztiegel.

Von Jens-Uwe Sommerschuh

Als „choreografische Dichtung“ bezeichnete Maurice Ravel sein als Hommage an Walzerkönig Johann Strauß gedachtes Werk „La Valse“. Ursprünglich sollte es „Wien“ heißen: „Durch wirbelnde Wolken hindurch sind Walzer tanzende Paare schwach erkennbar“, sinnierte er. Die Dresdner Philharmonie setzte diesen Notenwolkenwirbel von 1920 an den Schluss eines am Sonnabend durch und durch mitreißenden Konzertes: Wien, Paris und New York als musikalische Schmelztiegel. Am Pult stand der junge Brite Nicholas Collon, der mit seiner Melange aus Temperament und Esprit dem Programm, das auch Gershwins „An American in Paris“ und die Sinfonischen Tänze aus Bernsteins „West Side Story“ umfasste, heißen Atem verlieh. Die Philharmonie zeigte sich bestens aufgelegt, und der Saal bewies einmal mehr, wie direkt sich Stimmen und Effekte vermitteln lassen, selbst, wenn das Orchester voll aus sich heraus geht. Die ansteckende Spielfreude und die feine, aber warme Akustik hatten hohen Anteil an dem Ohrenschmaus, den das Publikum hernach mit tosendem Beifall honorierte. Dank auch der Kooperation mit den Jazztagen waren beide Konzerte restlos ausverkauft, und es war auch allerhand jüngeres Volk zugegen, glänzende Augen hatten am Ende alle.

Ein Fünf-Sterne-Erlebnis war der mit Bravorufen quittierte Auftritt des französischen Pianisten Jean-Efflam Bavouzet. Seine beim Label Chandos veröffentlichten Haydn- und Beethoven-Editionen belegen sein Faible für die Wiener Klassik. Im französischen Repertoire gehört er zu den weltweit herausragenden Lichtgestalten. Er gab Ravels Konzert „für die linke Hand“ von 1932, das dem Pianisten Paul Wittgenstein gewidmet war, der im Ersten Weltkrieg einen Arm verloren hatte. Bavouzet tastete und wühlte sich durch die düsteren Abgründe des Werkes, das reich an Schwierigkeiten ist. Er schaffte es mit fünf Fingern, seinen Flügel wie ein zweites Orchester klingen zu lassen, das sich mit dem eigentlichen Gefechte lieferte oder, in den raren Ruhephasen, träumerisch mit ihm verschmolz. Grandios. Als Zugabe intonierte er, beidhändig nun, Debussys blitzendes „L’Isle joyeuse“. O Freude!

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Ihr Kommentar zum Artikel

    Bitte füllen Sie alle Felder aus.

    Verbleibende Zeichen: 1000
    Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein