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Freitag, 19.05.2017 Dixie-Tagebuch

Dresdner Sonderling

Das Maskottchen des Festivals feiert 40. Geburtstag. Doch es ist weder ein Pferd, noch hat es etwas mit Dixieland zu schaffen.

Von Peter Ufer

Das Dixieland-Maskottchen wird am Sonntag 40 Jahre alt und hat bereits einige Verwandlungen mitgemacht.
Das Dixieland-Maskottchen wird am Sonntag 40 Jahre alt und hat bereits einige Verwandlungen mitgemacht.

© IDF

Am Donnerstagabend kamen mir Menschen mit Beuteln, Hüten und Schirmen entgegen, und auf allen tanzte ein Nilpferd herum. Dabei stimmt nichts an diesem Tier. Es feiert 40. Geburtstag, und im Festivalbüro sucht man verzweifelt nach einer Erklärung, warum es den Kuschelhippo überhaupt gibt. Irgendeiner muss doch mal auf die Idee gekommen sein, ein Nilpferd Jazzmusik präsentieren zu lassen, die am Mississippi erfunden wurde.

Jahrelang hieß der tierische Afrikaner ganz sächsisch nur „Eumel“, ein Sonderling, der zu DDR-Zeiten als Nilpferd Reiselust hätte wecken können und deshalb auf Nachfragen ganz neutral als Flusspferd durchging. Wobei hier vernachlässigt werden darf, dass der Paarhufer gar kein Pferd ist, sondern sich Gene mit Walen teilt. Die Walverwandtschaften werden bis heute ignoriert, und die Schuld an dem Schlamassel bekommen Berliner zugeschoben.

Denn in der Hauptstadt fassten 1977 Funktionäre den Beschluss, Kulturfestivals Maskottchen zu verpassen. Und jetzt folgt Erklärungsversuch Nummer eins: „Der Berliner Grafiker Christian Stecher entwarf das erste Modell, und wir verbanden damit den Gedanken, dass ein Flusspferd in Dresden abtauchen und in Hamburg auftauchen könnte. Wir brauchten in der DDR einen Botschafter, der auch hinter der Mauer von unserem Festival berichtet“, sagt Festivaldirektor Joachim Schlese. Später zeichnete der Dresdner Grafiker Lutz Stützner das Nilpferd freundlicher, die heutige Variante stammt von Kunsthochschulprofessor Ulrich Eißner.

Zum 40. bekommen Moderatoren von der Festivalleitung noch eine zweite Erklärung gereicht: „Die Elbe war der längste Fluss der DDR, und der Nil ist der längste Fluss der Erde, so lässt sich doch eine schöne Verbindung des internationalen Anspruches des Festivals herstellen.“ Die Geburtsfehler stören indes kaum einen Besucher, denn der Niedlichkeitsfaktor überzeugt. 1996 bekam Eumel den Namen Dixie verpasst, spielt seither beim Dixie-ABC mit, führt die Parade an und tanzt auf den Konzertbühnen der Stadt.

In seinem Körper steckte zehn Jahre Schauspieler Marten Ernst, der einst auch das Brückenmännchen mimte und heute das Boulevardtheater leitet. Seit vergangenem Sonntag verwandelt sich täglich Sänger Uwe Becker zum Dixie. Und ich gehe am Sonntag zur großen Maskottchen-Parade.

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