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Mittwoch, 08.03.2017

Dresdner Rektorin will nach Trier

Die umstritten gewählte Chefin der Musikhochschule bewirbt sich als Kulturdezernentin. Sie hat gute Chancen. Es sieht nach Flucht aus, sagen Beobachter.

Von Bernd Klempnow

Judith Schinker stellt sich im Rheinland-Pfälzischen zur Wahl als Dezernentin. Die SPD in Trier lobt ihre „ausgewiesene Kompetenz“.
Judith Schinker stellt sich im Rheinland-Pfälzischen zur Wahl als Dezernentin. Die SPD in Trier lobt ihre „ausgewiesene Kompetenz“.

© PR

Am Mittwochabend verliert möglicherweise die Dresdner Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ ihre Rektorin Judith Schinker, die rheinland-pfälzische Stadt Trier gewinnt eine Kulturdezernentin. Das berichtet der „Trier-Reporter“. Um die derzeit nicht besetzte Dezernentenstelle bewerben sich demnach ein Kandidat der schwarz-grünen Koalition und Schinker als überraschende Personalie von SPD, Linken, FDP und Piraten. Und die Dresdnerin hat offenbar gute Chancen, weil die Koalition nur eine Stimme Mehrheit im Stadtrat hat und als sehr zerstritten gilt. Würde Schinker gewinnen, müsste sie zeitnah in Trier anfangen – obwohl ihr Vertrag in Dresden noch drei Jahre läuft.

Die Bewerbung der norddeutschen Juristin und Kulturmanagerin, Jahrgang 1969, sorgte am Dienstag sowohl im Kunstministerium als auch in der Hochschule für Staunen. Nicht einmal engste Mitarbeiter wussten davon. Die Rektorin selbst war für die Sächsische Zeitung nicht zu erreichen. Und in Trier kommentierten Beobachter das Geschehen mit den Worten: „Wenn jemand nach nicht einmal zwei Jahren im Dresdner Amt geht, dann sieht das wie eine Flucht aus.“

Der Vergleich ist nicht falsch. Judith Schinker ist unter höchst unglücklichen Umständen in das Dresdner Amt gekommen. Ihre Wahl war umstritten. Es taten sich Gräben auf. Die Rektorin wusste nur einen Teil der Hochschulmitarbeiter hinter sich. Der Hochschulrat trat zurück, weil sein „eindeutiger Wahlvorschlag nach gewichtiger Prüfung aller Bewerber“ für den damaligen Amtsinhaber Ekkehard Klemm vom Erweiterten Senat abgelehnt und stattdessen eben Klemms Stellvertreterin gewählt worden war.

Der Imageschaden war immens. Deutschlandweit schüttelt man den Kopf darüber, was am eigentlich geschätzten Haus mit gut 600 Studenten und 119 Beschäftigten geschah. Insider sprachen von Intrigantenstadl, von bewusst getäuschten Studenten im Senat. Der Lehrkörper – inklusive der zerstrittenen Leitungsebene – gilt unverändert als tief gespalten. Entscheidungen treffe die Chefin nicht nach künstlerischen, sondern rein wirtschaftlichen Aspekten, heißt es. Und da die Rektorin nicht einmal in der Öffentlichkeit präsent war, hat die öffentliche Wahrnehmung des sonst ungemein aktiven Instituts rapide abgenommen.

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