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Samstag, 07.01.2017

Die Überlebenskünstlerin

Von Karajan entdeckt und weggeschickt: Arte widmet einen Abend dem Geigengenie Anne-Sophie Mutter.

Von Rainer Kasselt

So cool kann Klassik sein: Anne-Sophie Mutter im Berliner Klub „Neue Heimat“. Die Violinistin zählt weltweit zu den Besten ihres Fachs und wird auf Arte porträtiert.
So cool kann Klassik sein: Anne-Sophie Mutter im Berliner Klub „Neue Heimat“. Die Violinistin zählt weltweit zu den Besten ihres Fachs und wird auf Arte porträtiert.

© ZDF/Michael Habermehl

Beethovens Violinkonzert war eine Nummer zu groß für das Wunderkind. „Karajan schickte mich weg, als ich 14 war, und sagte: Kommen Sie in einem Jahr wieder.“ Anne-Sophie Mutter erinnert sich vierzig Jahre später daran. „Das hat mich nicht weiter erschüttert, weil ich sowieso wusste, ich war nicht gut genug.“ Sie lächelt: „Ich bin eine Überlebenskünstlerin.“ Niederlagen gehören auch zu ihrem Leben. „Die Frage ist nur, wie schnell man aufsteht“, sagt die Stargeigerin.

Im Porträt von Anca-Monica Pandela blickt die Künstlerin auf wichtige Stationen ihrer faszinierenden Karriere zurück. Von ihrem Entdecker, dem Dirigenten Herbert von Karajan, lernte sie, dass Ziele, die erreicht wurden, nicht hoch genug gesteckt waren. Anne-Sophie Mutter schildert Proben mit dem Maestro. „Er hat manchmal 50 Stunden an einem Stück gearbeitet, weil er uns das Gefühl der Freiheit vermitteln wollte.“ Beethovens Violinkonzert hat die Geigerin in den 13 Jahren der Zusammenarbeit mit Karajan am meisten gespielt. „Es gibt kein anderes Werk, das wir so intensiv und so oft aufgeführt haben.“ Im Todesjahr 1989 sagt Karajan über seine Meisterschülerin: „Sie ist ein Genie auf der Geige.“ Anne-Sophie Mutter bedauert den geringen Stellenwert der klassischen Musik in der Gesellschaft. „Musik ist eine internationale Sprache, die uns Offenheit und Toleranz lehrt.“ Seltene Archivaufnahmen und Konzertausschnitte prägen den Film. Gewürdigt wird ihre Stiftung für die Förderung von Hochbegabten.

Triumphe bei den Salzburger Festspielen werden ebenso dokumentiert wie ein Schülerkonzert der pausbäckigen Elfjährigen mit dem Bruder Christoph. Mit dem Komponisten André Previn war die Geigerin in zweiter Ehe drei Jahre verheiratet. Er widmete ihr das anspruchsvolle Violinkonzert „Anne-Sophie“ und sagt im Interview: „Sie ist die beste Geigerin der Welt.“ Bei Arte ist sie am Sonntag zweimal zu erleben. Erst im Galakonzert mit den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle und spät am Abend im Porträt.

Galakonzert mit Anne-Sophie Mutter um 18.25 Uhr, Porträt der Geigerin um 23.20 Uhr bei Arte